Bauhaus-Universität Weimar

Associativ bedingte Gefühle lind Strebungen. 
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heit oder Neuheit. Wie das Gefühl der Bekanntheit mit dem der 
Wirklichkeit, so ist das Gefühl der Neuheit vergleichbar mit dem 
Gefühle der Nicht Wirklichkeit. Auch das Gefühl der Neuheit ent¬ 
stammt dem Gegensatz zwischen dem Ganzen, das ich jetzt 
wahrnehme, und der Weise, wie die Elemente desselben in 
sonstiger Erfahrung verbunden oder miteinander verwebt waren. 
Nur ist dieser Gegensatz in unserem Falle ein rein qualitativer. 
Aber auch hier ist dies festzuhalten: Die Elemente des jetzt 
Wahrgenommenen sind mir immer schon gegeben gewesen; es ist 
also in Wahrheit nur die Verbindung oder Kombination der¬ 
selben, oder das Ganze als Ganzes, ein „Neues“. 
Damit nun hat sich zugleich der Grund des Gefühles der 
Bekanntheit näher bestimmt. Dasselbe hat seinen eigent¬ 
lichen Grund in dem Umstande, dass die in der gegenwärtigen 
Wahrnehmung gegebene Verbindung von Elementen mit der 
Gedächtnisspur der ehemaligen gleichartigen Verbindung 
derselben Elemente zusammen stimmt und durch sie unter¬ 
stützt wrird. 
Pathologisches Bekanntheits- und Neuheitsge¬ 
fühl. — Achten wir auf diese Gründe des Gefühles der Bekannt¬ 
heit und des Gefühles der Neuheit oder Fremdheit, dann kann 
uns auch der abnorme Ausfall, sowohl des Bewusstseins der Be¬ 
kanntheit, als des Bewusstseins der Neuheit, verständlich werden. 
Für Beides ist zunächst Eines vorausgesetzt, das wir schon 
früher, bei dem abnormen Bewusstsein der Wirklichkeit eines 
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Phantasiegebildes, und bei der Erwähnung der Hallucinationen 
annehmen mussten, nämlich die relative Selbständigkeit und Loslös¬ 
barkeit der Gedächtnisspur eines Erlebten gegenüber einem 
neuen Erlebnis, das mit jenem Erlebnis sich ganz oder teilweise 
deckt, also mit ihm übereinstimmt, oder dazu in Beziehung der 
Gegensätzlichkeit steht. Dazu müssen wir hier hinzufügen, dass 
auch die, verschiedenen Zeiten angehörigen Gedächtnisspuren 
von ganz oder teilweise sich deckenden Erlebnissen gegenein¬ 
ander relativ selbständig gedacht werden müssen. Diese, ver¬ 
schiedenen Zeiten angehörigen Gedächtnisspuren sind sozusagen 
Schichten, die normalerweise eng verbunden sind, aber auch mehr 
Schriften d. Ges. f. psychol. Forsch. H. 13. 32
        

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