Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/85/
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alle Theile des Nervensystems, dass seine Erregbarkeit 
bei verschiedenen Menschen sehr verschieden ist. Bei 
manchen wird er leicht in Thätigkeit versetzt, reagirt 
stark auf relativ unbedeutende Impulse. 
Die alltägliche Erfahrung lehrt, wie leicht manche 
Menschen im Vergleich zu andern Herzklopfen bekommen, 
erröthen oder erblassen, Hitze oder Kälte empfinden, und 
wir wissen alle, dass diese vasomotorisch erregbaren In¬ 
dividuen auch die sind, welche leicht heftig oder zornig 
oder übermässig lustig etc. werden. Es sind nicht nur 
individuelle, oft vererbte Unterschiede, welche sich auf 
diesem Gebiete geltend machen; auch mehr generelle 
Verhältnisse spielen hier eine — oft höchst wichtige — 
Rolle. Die Frauen, deren Nervensystem, und hier beson¬ 
ders gerade sein vasomotorischer Abschnitt, sich in so 
mannigfacher Weise viel höher erregbar als das der Män¬ 
ner zeigt, sind ja auch eine viel leichtere Beute der 
Affecte als das stärkere Geschlecht, und Aehnliches gilt 
von den Kindern im Vergleich mit den Erwachsenen. 
Wie bekannt, bedingen auf diesen Gebieten auch Rassen- 
eigenthtimlichkeiten erhebliche Unterschiede, und da wrir 
auf anderem Wege nicht sonderlich viel von Unterschieden 
der vasomotorischen Erregbarkeit bei den verschiedenen 
Menschenrassen zu wissen bekommen, dürfen wir hier 
vielleicht den Schluss umkehren und von der geringeren 
oder grösseren Beweglichkeit auf eine entsprechende Reiz¬ 
barkeit der Gefässnerven schliessen. Eine besondere -Auf¬ 
merksamkeit — vregen der Perspective in die Zukunft, 
die dadurch eröffnet wird — verdient der Umstand, dass 
sowohl Individuen wie Völker im ganzen um so mehr den 
Affecten unterwarfen sind, auf je tieferer Bildungsstufe 
sie stehen.
        

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