Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/78/
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Geschmack der Medicin; so kommt es dazu, dass, wenn 
67.0" in Thätigkeit versetzt wird, — durch den Anblick 
des Löffels — der Impuls auch auf <7.6?" fortgeleitet 
wird, von wo aus derselbe wieder — wie das bei der 
wohlbekannten Kraft der Erinnerung, Gemüthsbewegungen 
hervorzubringen, unbestreitbar ist, — leicht nach <7. V ge¬ 
langen muss.*) Ich fürchte, dass die Annahme einer 
neuen, bis dahin nicht angebahnten functionellen Ver¬ 
bindung zwischen <7.6?" und <7.0" auf den ersten Blick 
vielleicht wie einer der vielen Auswege aussehen wird, 
welche die physiologische Psychologie nicht immer für 
ihre Theorieen zu gebrauchen verschmäht hat. Es ist 
verführerisch leicht, durch einen Federstrich „neue Bahnen 
zu eröffnen“, wenn man etwas zwischen zwei Stellen des 
Gehirns besorgt haben will, die bisher in keiner gegen¬ 
seitigen Verbindung gestanden haben. Wenn man sich 
solche neue Bahnen durch Nervenfasern repräsentirt den¬ 
ken soll, so befindet man sich gewiss auf dem Gebiet 
einer sehr lockeren Hypothese; denn wir haben, ausser in 
den frühen Entwickelungsperioden, kein Beispiel davon, 
dass Nervenfasern, die früher nicht leitend gewesen sind, 
es mit einmal zu werden anfangen. Anders verhält sich 
aber die Sache, wenn die Fortleitung eines Impulses von 
einer Stelle zur andern durch unter einander verbundene 
Nervenzellen geschieht, wie man das für die leitende Ver- 
*) Ob das auf den Bahnen (7.(7"—G.G‘ und C.Gl—C.V geschieht 
oder auf andern, unbekannten, kann nicht entschieden werden; es liegt 
aber kein Grund vor, den genannten Bahnen diese Leitung streitig zu 
machen; denn sie besorgen auch eine Leitung in umgekehrter Richtung, 
da die doppelsinnige Leitungskraft der Nervenfasern, die ja aus nahe¬ 
liegenden Gründen an den peripheren Nerven nicht an den Tag treten 
kann, gewiss eine grosse Rolle in den Centralorganen spielt, wo ihre 
amphicelluläre Anordnung sie begünstigt und nothwendig macht.
        

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