Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/76/
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anführen, dessen Richtigkeit mir jede Mutter attestiren 
wird. Das kleine Kind schreit, wenn es den Löffel sieht, 
mit dem ihm ein paar mal eine schlecht schmeckende 
Medicin eingegeben worden ist; wie geht das zu? 
Dieser Fall, oder ganz analoge Fälle werden ja oft ge¬ 
nug vom psychologischen Standpunct aus erörtert, und 
man kann sehr verschiedene Antworten auf unsere Frage 
finden. „Es schreit, weil es den Löffel für die Ursache 
seines früheren Missbehagens ansieht,“ sagt man. Aber 
damit ist man dem Verständniss doch nicht näher ge¬ 
kommen. Oder: „weil der Löffel die Erinnerung an frühere 
Leiden wieder aufweckt,“ das mag ganz wahr sein, bringt 
die Sache aber nicht auf das Terrain der Physiologie; 
oder: „weil der Löffel Furcht vor künftigen Unbehaglich¬ 
keiten erregt;“ aber die Frage ist ja gerade, wie das 
Aussehen des Löffels im Stande ist, wegen seiner früheren 
Verwendung Furcht hervorzurufen, d. h. das vasomotorische 
Centrum auf bestimmte Weise in Thätigkeit zu versetzen. 
So oft das Kind mit einem Löffel Medicin erhalten 
hat, ist sowohl sein Geschmacks- wie sein Gesichtssinn 
beeinflusst worden, der erste durch die Medicin, der zweite 
u. a. durch den Löffel. Beide Eindrücke werden von den 
peripheren Sinnesorganen zum Gehirn fortgeleitet, wo sie, 
nachdem sie in den centralen Sinnesorganen Sensationen 
geworden sind (in C. G' und C. O' in der obenstehenden 
schematischen Figur), dadurch zum Bewusstsein kommen, 
dass sie zu den Geschmacks- und Gesichtscentren der 
Rinde geleitet werden, Zellengruppen in der grauen Cor- 
ticalsubstanz des Gehirns (C.G" und GO"). Wie aber 
die Stimmungsausbrüche des Kindes hinlänglich zeigen, 
wird ausserdem der Geschmackseindruck jedesmal von 
C. G' zum vasomotorischen Centrum C. V fortgeleitet, durch
        

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