Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/66/
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das Gruseln zu lernen,“ und der, nachdem er vergeblich 
versucht hatte, durch die Gesellschaft von Verstorbenen 
und Gespenstern ins „Gruseln“ zu kommen, seinen Wunsch 
erfüllt bekam, als er aus dem Bette in ein Fass mit kaltem 
Wasser geworfen wurde, — bei ihm eine kräftigere Ein¬ 
wirkung auf den vasomotorischen Apparat, als der Anblick 
von Leichenbetten und Gespenstern. — Die Bezeichnung 
fieberhaft für den, der sich in starker Spannung be¬ 
findet, zeigt ebenso, dass man von der Aehnlichkeit frap¬ 
piert worden ist, welche leichte Fiebersymptome mit ihren 
hauptsächlich vasomotorischen Störungen und diejenigen 
körperlichen Zustände untereinander haben die durch un¬ 
ruhige Erwartungen u. a. hervorgerufen werden24. 
Wie schon bemerkt, will ich in dieser kleinen Ab¬ 
handlung nicht auf die grosse Frage nach dem Verhältnis 
der Affecte zu den eigentlich pathologischen Zuständen, 
den psychischen und körperlichen Krankheiten näher ein- 
gehen. 
In dieser Beziehung existirt aber ein Verhältnis, das 
ich hier nicht ganz übergehen kann, weil es für die uns 
hier beschäftigende Frage — die Nothwendigkeit der 
Hypothese rein seelischer Affecte — sehr aufklärend wirkt. 
Giebt es etwas, was in schlagender Weise die Entbehr¬ 
lichkeit dieser Hypothese beweisen kann, so ist es sicher 
der Umstand, dass die Affecte entstehen, ohne durch 
irgend eine äussere Einwirkung, irgend eine Begebenheit 
hervorgerufen zu werden, die auf unser psychisches Leben 
wirken, oder durch irgend eine Erinnerung oder Ideen¬ 
association; und dass sie in optima forma entstehen, allein 
auf Grund krankhafter Zustände, die sich im Körper ent¬ 
wickeln oder von den Eltern geerbt sind.
        

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