Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/59/
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Phänomene sind, die zwar nie fehlen, aber doch an und 
für sich ganz unwesentlich sind. 
Der rein seelische Affect ist eine Hypothese und hat 
wie jede Hypothese, nur ihre Berechtigung, wenn sie 
zwei Bedingungen erfüllt, nämlich 1) die Erscheinungen, 
zu deren Erklärung sie aufgestellt wird, zu erklären, und 
2) zur Erklärung dieser Erscheinungen nothwendig zu sein. 
Bezüglich der ersten dieser Bedingungen hat die frag¬ 
liche Hypothese ebenso leichtes Spiel, wie alle Hypothesen 
der speculativen Wissenschaft überhaupt ; ohne durch Ein¬ 
wendungen von Seiten der Erfahrung eingeschränkt zu 
werden, kann man sie ganz nach Behagen ausbauen, ihnen 
jede beliebige Eigenschaft und Kraft beilegen, und sie 
leisten ohne weitere Schwierigkeit jeden Dienst, der von 
ihnen verlangt wird. Kann die seelische Angst erklären, 
dass man erblasst, zittert etc.? Verstehen wir das nun 
auch nicht, so steht es uns doch frei, es anzunehmen, und 
dabei ist man ja gewohnt, sich zu beruhigen. 
Wenn die Hypothese der psychischen Natur der 
Affecte somit an diesem Punkte unangreifbar ist, — aller¬ 
dings mehr, weil sie sich einer Prüfung entzieht, als weil 
sie dieselbe besteht — so entsteht die Frage, ob sie die 
andere Bedingung erfüllt: unentbehrlich zu sein für die 
Erklärung der Gruppe von Phänomenen, die wir Affecte 
nennen, sodass dieselben ohne ihre' Hilfe nicht verstanden 
werden können. 
Wer das bezweifeln wollte, wer z. B. Jemandem, der 
in der üblichen Vorstellung über diese Frage aufge¬ 
wachsen ist, klar machen wollte, dass, wenn er erschrickt, 
sein Schreck nur eine Wahrnehmung der Veränderung in 
seinem Körper ist, der würde wohl zuerst auf folgenden 
Einwand stossen: ..Die Annahme dieses Verhältnisses 
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