Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Gemüthsbewegungen. Eine psycho-physiologische Studie
Person:
Lange, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39739/34/
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drastischen Begleitern der Angst gehören, die ja auch 
meist nur bei jugendlichen oder auf niedriger Bildungs¬ 
stufe stehenden Individuen Vorkommen, kurz gesagt bei 
denen, die Bedingungen für heftige emotionelle Phänomene 
darbieten, (s. weiter unten), giebt es eine andere Gruppe 
von Erscheinungen, die auf derselben physiologischen Be¬ 
einflussung des unwillkürlichen Muskelsystems beruhen; 
durch sie erhält der Schreck seine eigentliche pathetische 
Physiognomie. Wenn man sagt, dass die Haare sich auf 
dem Haupte des Entsetzten sträuben, so bezeichnet man 
durch diesen allerdings wohl etwas starken Ausdruck die 
Wirkung einer spastischen Zusammenziehung der feinen 
Muskelfasern, die sich an die Haarsäcke in der Haut an¬ 
setzen, wodurch diese in den als „Gänsehaut“ bezeichneten 
Zustand gerathen. Die hervorstehenden Augen, die „aus 
ihren Höhlen hervor quellen“, und die erweiterten Pupillen 
deuten wie der Gefäss-Spasmus auf eine Irritation des 
sympathischen Nervensystems. 
Bei vielen Menschen ruft ein plötzlicher Schreck eine 
eigenthümliche subjective Empfindung hervor, ein Stechen 
oder Prickeln, dass sich oft von unten z. B. vom Unter¬ 
leib aufwärts ausbreitet und oft besonders stark in der 
Zunge fühlbar wird, übrigens häufig den ganzen Körper 
einnehmen kann, bis in die Spitzen der Finger und Zehen. 
Dazu kommt oft ein Gefühl von „Beklemmung“, eine 
quälende, zusammenschnürende Empfindung, besonders im 
Halse: „Die Kehle schnürt sich zusammen“. Das erstge¬ 
nannte dieser Gefühle ist zweifellos ein excentrisches 
(projicirtes)18, und entsteht durch Reizung der cerebralen 
Empfindungsorgane, welche durch die plötzliche emotionelle 
Verengerung ihrer Gefässe zu Wege gebracht wird. Sie 
haben ganz den Character excentrischer, im Hirn ent-
        

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