Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/73/
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B. Erzeugung des Tones 
Man erkennt z. B. die Reinheit des Intervalles f2 : g2 = 696 : 783 = 
8 : 9 daran, daß ihr Differenzton mit dem Ton F = 87 überein¬ 
stimmen muß ; soll aber g2 : a2 = 783 : 870 =9:10 sein, so muß ihr 
Differenzton wiederum F = 87 betragen. 
54. Stimmtechnik. Unmittelbar aufgefaßt werden bei der Stimmung 
der Instrumente stets nur die natürlichen, d. h. reinen Intervalle. Auf 
ihnen beruht z. B. die Stimmung der Streichinstrumente, die reine 
Quinten bzw. Quarten verlangen. 
Anders und bedeutend schwieriger ist die Herstellung der tem¬ 
perierten Stimmung, wie sie etwa das Klavier verlangt. Es 
gibt hier eine ganze Reihe von Verfahren, die alle auf der Her¬ 
stellung reiner Oktaven und dem Prinzip der Schwebungen unreiner 
Quinten beruhen. (Die Zahl dieser Schwebungen wird gezählt.) 
Man geht so z. B. vom Kammerton a1 aus, der von der Stimm¬ 
gabel gewonnen wird, zunächst nach unten zu a; man stimmt nun 
e1 als Quinte etwas zu klein, desgleichen h1 und fis2, geht dann 
über fis1 zu cis2, gis2, gis1, dis2 = es2, es1, b1, f2, f1, c2, g2, g1, d2 bis 
zu d1, indem man stets die Oktaven genau, die Quinten aber 
schwebend stimmt, und probiert am Schluß das Quintenintervall 
d1 a1. Nebenher prüft man durch Quarten- und Terzengriffe die 
gesamte Arbeit. 
Statt nach oben zu gehen, kann man auch absteigende Quinten 
benutzen. Meist werden beide Wege gewählt, um auf dem zweiten 
die Ungenauigkeiten des ersten zu beseitigen. Es sind dann be¬ 
reits fast sämtliche Töne der 1. und 2. Oktave eingestimmt. Die 
übrigen nach oben und unten werden durchweg als reine Oktaven 
ermittelt, wobei zur Probe der tonische Dreiklang und der Quart¬ 
sextakkord angeschlagen werden. Dabei pflegt man aber in der 
Höhe die Stimmung allmählich oberwärts schwebend, in der Tiefe 
unterwärts schwebend zu nehmen, so daß die Quinten an den 
Enden sich mehr den reinen Intervallen nähern als in der Mitte. 
Das hat seinen Grund in der Erfahrung, daß die Seiten der höheren 
Oktaven, wohl infolge der größeren Spannung sich schneller zu 
niedrig verstimmen, die übersponnenen Saiten der tieferen Töne 
aber allmählich ein wenig hinaufgehen. Durch die bewußten Ok¬ 
tavenverstimmungen, die sehr gering sind, wird dieser Änderung 
vorgebeugt. 
Eine solche Stimmung nach gleichschwebender Temperatur kann 
nur von Personen ausgeführt werden, die sich durch lange Übung das 
Empfinden für diese Ausgleiche, die dem natürlichen Gefühl wider¬ 
sprechen, angeeignet haben.
        

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