Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/50/
II. Tonleitern, Tonsysteme und Stimmungen 
43 
Stimmung und sehen sich genötigt, sie zwar als eine für die Musik¬ 
entwicklung sehr günstige, aber gefährliche und heute überlebte 
Durchgangsstufe zu betrachten. Ihre Angriffe richten sich zunächst 
auf die starke und systematische Verderbung unseres Gehörs, die 
die von Jugend an auf den verbreitetsten Instrumenten gehörten 
verstimmten Intervalle bewirkten. Sodann aber glauben sie, daß 
die musikalisch-harmonischen Beziehungen auf diesem seit 200 Jahren 
gepflegten System erschöpft seien und ersehnen neue Möglichkeiten 
der Harmonik und Melodik. Beides führt zu einer Durchbrechung 
des Systems auf das Ziel engerstufiger Oktavteilungen hin. Als ideales 
Ziel schwebt in dieser Richtung die Hineinbeziehung aller über¬ 
haupt möglichen Tonstufen in die musikalische Verwendung vor, so¬ 
weit sie die Vorstellungsmusik des Komponisten verlangt. Seine Er¬ 
reichung scheitert natürlich an technischen Problemen; und der Ge¬ 
danke Magers’1) einer Beseitigung aller festen Tonstufen durch elek¬ 
trisch betriebene und regulierbare Musikinstrumente ist doch wohl 
eine Utopie. 
Indem die Neuerer also die temperierte 12-stufige Skala nur für 
eine Durchgangsstufe auf dem Wege zu jenem Ideal halten, schlagen 
sie verschiedene Möglichkeiten besserer Annäherungen vor, die z. T. 
auch durch praktische Versuche erprobt werden. Es lassen sich zwei 
Richtungen insofern unterscheiden, als die einen auf der vorhandenen 
12-Teilung fußen (so Busoni, Stein), die anderen ganz neue Tei¬ 
lungen Vorschlägen. 
38. Busonis System. Busoni2) schlägt das Dritteltonsystem als eine 
Verfeinerung der Chromatik vor. Danach wird der temperierte Ganz¬ 
ton in drei gleiche Schritte zerlegt, die zwischen c und d etwa als 
c+ und d~ bezeichnet seien. Die Oktavzerlegung bekommt also das 
Bild: 
des 
Ses 
as 
1- 
-1- 
-1- 
—1— 
—*- 
-1- 
—1 
c c+ ' d- à ci* 
e_ e e+ 
fis- fis fis* 
êis" dis dis* 
ais‘ ais aïs* 
c1' c 
Fig. 6. 
Man erkennt an dem Schema, daß hierbei die kleine Terz, die große 
Sexte, vor allem aber die reine Quinte und Quarte, also der Dur- 
und Mollklang, d. h. alle wesentlichen Bestandteile unserer harmo- 
1) Magers in „Die Musik“, 1922/23, S. sioff. 
2) Busoni, Entwurf . . , 1906.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.