Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/47/
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A. Grundlagen des Tonsystems 
vielfache Weise möglich; denn die Zusammenziehung der Töne cisIII( 
cisv, desv, desm<_ kann ja noch durch einen beliebigen Mittelwert 
geschehen, durch desv oder durch cisv oder durch den Mittelton aller 
(zwischen cism und desm<_) usf. Bei der Aufstellung der hier¬ 
nach noch beliebig zahlreichen Temperaturen können besonders fol¬ 
gende zwei Prinzipien leitend sein und sind es auch tatsächlich ge¬ 
wesen. Entweder versucht man die Intervalle bestimmter, einfacher 
Tonarten möglichst rein zu halten und verschiebt die Ausgleichungen, 
die Unreinheiten nach Möglichkeit nur in die entfernteren Tonarten, 
deren Intervalle dadurch „schwebend“ werden; ein Musizieren in 
diesen Tonarten wird daher dann der „Wölfe“ wegen vermieden. 
Solche Temperaturen heißen ungleichschwebend und sind z. B. von 
Schlick, Zarlino, Calvisio, Praetorius, Kirnberger, Kepler, 
Euler, Silbermann berechnet und befürwortet worden. 
Von ihnen ließ die weitverbreitete Kirnbergersche Temperatur als 
reine Terzen nur bestehen: c e, d fis, f a, g h, h dis sowie die 
kleinen e g, a c und h d. Es klangen in ihr also nur der C-dur, F-dur 
und der a-moll Dreiklang in richtiger Stimmung. 
Oder es werden die Unreinheiten auf alle zwölf Töne gleichmäßig ver¬ 
teilt, so daß zwar alle Intervalle (außer Oktave) aller Tonarten auf ihre 
absolute Reinheit verzichten müssen, aber keine vor der andern durch 
besonderen Woblklang ausgezeichnet oder durch „Wölfe" benach¬ 
teiligt ist, so daß das Musizieren in allen Tönarten gleicherweise 
möglich ist. Es ist die sog. gleichschwebende Temperatur. 
35. Die gleichschwebende Temperatur. Die meisten ungleichschwe¬ 
benden Temperaturen wählten rein die Töne der c-dur-Leiter und 
schoben die fünf Zwischenstufen als cis, es, fis, as (oder auch gis) und b 
möglichst zweckmäßig dazwischen. Sie alle stellten nicht Selbstzweck 
dar, sondern waren sich bewußt, nur Versuche für die geschickteste 
Teilung zu sein. Die befriedigende Lösung brachte erst die gleich¬ 
schwebende Temperierung. 
Schon um 1500 in theoretischen Schriften aufgetaucht und gelegent¬ 
lich befürwortet, setzt sie sich erst 200 Jahre später voll durch und 
hat um 1720 die anderen endgültig verdrängt. Um ihre Berechnung 
und Einführung haben schon Zarlino und Rameau, weiterhin 
d'Alembert, Marpurg, Neithardt, Mattheson, Sorge und 
Werckmeister Verdienste. Bach gehört zu den ersten praktischen 
Musikern, die die Vorzüge der neuen Temperierung voll anerkennen 
und ausnutzen (wohltemperiertes Klavier). 
Nach ihr werden die zwölf Schritte der Oktave völlig einander gleich 
gemacht. Wird die Größe eines solchen temperierten Halbschrittes
        

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