Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/149/
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D. Aufnahme und Würdigung des Tones 
physiologische Zwangserscheinungen auftreten (so ausgesprochene 
Antipathie gegen bestimmte Tonarten u. ä.).1) 
108. Wirkungen auf das Vorstellungsleben. Der Wirkung auf das 
Gefühlsleben steht eine solche auf das Vorstellungsleben in wechsel¬ 
voller Weise gegenüber. Zu erwähnen ist hier vor allem die Erschei¬ 
nung, daß sich Tonempfindungen unbewußt in Vorstellungen von 
Beziehungen im Raume umsetzen. Tonstillstand wird als Ruhe, 
Tonveränderung — sei es in Höhe oder Stärke — als Bewegung auf¬ 
gefaßt, und im Besonderen erscheint ein Legatovortrag als ein Durch¬ 
schreiten, ein Stakkatospiel als ein Durchspringen des Raumes. Auch 
die Töne selbst werden mit ihren verschiedenen Schwingungszahlen 
in den Raum geordnet und als verschieden hoch bzw. tief empfunden. 
Einer dieser Vorstellung (hoch-tief) entsprechenden räumlichen Ver 
anschaulichung der verschiedenen Tonhöhen auf einer Geraden ist 
nach Révécz2) besser eine Anordnung auf einer Spiralen an die Stelle 
zu setzen, da nur diese Darstellung gleichzeitig auch der Qualität oder 
der Klangbedeutung im Riemannschen Sinne gerecht wird, indem die 
Oktaven übereinander liegen. 
Zur Wirkung auf das Vorstellungsleben gehören auch die sog. 
Doppelempfindungen, die darin bestehen, daß durch akustische 
Reize auch der Gesichtssinn mit in Tätigkeit gesetzt wird, indem 
Farbenvorstellungen hervorgerufen werden. Über solche „Farben¬ 
klangintuition“ soll in hervorragendem Maße Skrjabin verfügt 
haben; die Farben verteilten sich bei ihm in nachstehender Weise auf 
die verschiedenen Tonarten: c-dur Rot, g-dur Orange-Rosa, d-dur 
Gelb, a-dur Grün usw., in auffälliger Übereinstimmung des Quinten¬ 
zirkels mit der Anordnung der Farben im Spektrum; es-dur und b-dur 
sollen keinen Platz im Spektrum gefunden haben; sie besaßen unbe¬ 
stimmten Farbwert aber ausgesprochenen Metallglanz. Erinnert sei 
hierbei an die gelegentlichen Aufführungen seiner Werke, z. B. des 
Prometheus mit Lichteffekten. 
Auch Liszt besaß Farbenklangvorstellungen („spielen Sie bitte 
nicht so blau“), vielleicht auch Schubert (vgl. „die liebe Farbe“, 
„die böse Farbe“) u. a. Im einzelnen ist die Zuordnung der Farben 
zu den Harmonien individuell verschieden. 
Auf die Wirkungen auf das Willensleben ist hier nicht näher einzu¬ 
gehen. Sie scheinen vor allem dem Rhythmus zuzukommen ; man denke 
etwa an den militärischen Gebrauch der Musik, vor allem an die Signale. 
1) Vgl. Hennig in Die Musik, 1915, Juli-Sept. 6iff. 
2) Révécz, Zur Grundlegung der Tonpsychologie, Leipzig 1913.
        

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