Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/132/
III. Die Theorien des Hörens und der Konsonanz 
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gewiesen. Was die ersteren anbelangt (§ 90), so sind eben die Reso¬ 
nanzfasern im Ohr in gewissen Bezirken oder ganz beschädigt. Das 
Doppelhören aber, die Tatsache, daß der gleiche Ton auf dem 
einen Ohr bis zu einer Terz höher als auf dem andern gehört wird, 
erklärt sich so, daß die betreffenden Fasern durch irgend welche 
pathologischen Vorgänge auf andere Schwingungszahlen abgestimmt 
sind als ihrer Stellung entspricht, sie aber gemäß dem Gesetz der 
spezifischen Energien doch die ihnen zugehörige Tonempfindung aus- 
lösen. 
Diesen Leistungen der Theorie stehen eine nicht unerhebliche Reihe 
von Mängeln und Einwänden gegen sie gegenüber, die eine Erwei¬ 
terung und Ausbildung derselben erheischen. Vor allem hat sie zur 
Erklärung einer der wichtigsten Tatsachen der Musikpsychologie ver¬ 
sagt, zur Erklärung der Konsonanz und Dissonanz, zu der wir jetzt 
in gesonderten Paragraphen übergehen. 
b) Konsonanztheorien. 
96. Zugrunde liegende Tatsachen. Dk psychologische Tatsache, die 
zugrunde liegt, ist folgende. Lasser* wir kurz nacheinander oder, 
noch deutlicher, gleichzeitig mehrere verschieden hohe Töne erklin¬ 
gen, so werden sie, für sich allein betrachtet, bald mehr oder 
weniger stark das Verlangen nach Fortführung erwecken, bald das 
Gefühl abgeschlossener Ruhe bewirken. Und zwar ist das Ent¬ 
scheidende dabei die Größe der Intervalle der einzelnen Töne oder, 
was dasselbe ist, der Wert ihres Schwingungszahlverhältnisses. 
Man nennt das Intervall bzw. den Akkord im ersten Falle dissonant, 
im zweiten konsonant. 
Die häufig verwendete Definition von Konsonanz als angenehm, 
von Dissonanz als unangenehm klingender Töne trifft entschieden 
nicht das Wesen der Sache, indem sonst wohl fast die gesamte 
moderne Musik als unangenehm zu bezeichnen wäre. Es ist von 
der ästhetischen Seite überhaupt sehr schwierig, eine adäquate 
kurze Bezeichnung für den verschiedenen Gehörseindruck von 
Konsonanz und Dissonanz zu finden, 
Beschränken wir uns zunächst auf die Zweiklänge. 
Die Frage, ob es zwischen konsonanten und dissonanten Intervallen 
eine feste Grenze gebe, wird verschieden beantwortet. Die einen 
halten den Unterschied nur für graduell ; sie meinen, der Kreis der Kon¬ 
sonanzen sei nicht von vornherein festgesetzt, sondern sei entwickel-
        

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