Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Grundlagen der Musik: Einführung in ihre mathematisch-physikalischen und physiologisch-psychologishen Bedingungen
Person:
Peters, Illo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39736/106/
II. Die einzelnen Instrumente 99 
Die Klangfarbentheorie der menschlichen Stimme ähnelt hiernach 
in außerordentlichem Maße der der Instrumente. 
In diesem Zusamenhange ist zu erwähnen, daß von einigen Theo¬ 
retikern auch anderen als gesungenen Tönen — wenigstens im mitt¬ 
leren Gebiete der Tonreihe — eine Vokaleigenschaft, die sog. Vokali- 
tät, zugeschrieben wird. Es entspreche den Schwingungszahlen um 
c1 herum der Vokal u, um c2 o, um c3 a, um c4 e, um c5 i, mit den 
Übergängen uo, oa, ae, ei. Vielleicht sei diese Vokalreihe auch unend¬ 
lich. Die Eigenschaft wird den Klängen nicht vom Grundton, sondern 
von den Partialtönen erteilt. (Klangfarbe!) 
c) Schlaginstrumente. 
72. Platten und Membranen. Die schwingenden Tonerzeuger bei 
den Schlaginstrumenten sind feste Körper von ausgesprochen 3 Dimen¬ 
sionen (Stäbe, Platten; Glocken) oder gespannte Membranen. Was 
sie in ihrem Klang von den bisher besprochenen wesentlich unter¬ 
scheidet — so, daß sie für die musikalische Verwendung von nur 
untergeordneter Bedeutung werden — ist, daß sie als Beitöne nicht 
die harmonischen Obertöne liefern, deren Schwingungszahlen ganz¬ 
zahlige Vielfache von der des Grundtones sind, sondern andere sog. 
unharmonische. Es rührt wohl daher, daß sie, wenigstens die 
Platten und Membranen, mehrere Grundtöne besitzen, deren jeder 
seine selbständige Obertonreihe hervorbringt. Die Fülle der nahe 
liegenden Obertöne bewirkt, daß die Klangfarbe weniger angenehm 
als rauh und schroff ist, so daß die Instrumente in der Musik nur 
Verwendung finden, wenn der Grundton bedeutend stärker ist und 
hervortritt. 
Die Schwingungsknoten treten nicht als Punkte, sondern als Linien 
auf; und zwar zerfallen sie ihrer Form nach in wesentlich zwei ver¬ 
schiedene Arten: in durchmesserartige und solche, die nach der Art 
konzentrischer Kreise verlaufen. Zwischen beiden bestehen eigen¬ 
artige, gesetzmäßige Beziehungen.1) 
Was zunächst den oder die Grundtöne anbelangt, so ist es noch 
nicht möglich gewesen, die Schwingungszahlen derselben aus den 
geometrischen und physikalischen Eigenschaften ebenso sicher her¬ 
zuleiten, wie das für die Saiten der Fall ist. Die von der theoretischen 
Mechanik abgeleiteten Beziehungen entbehren jedenfalls musikali¬ 
schen Interesses. Für Platten ganz besonders ist der Ort des An¬ 
schlagens (evtl. Streichens) von Bedeutung; einem jeden entspricht 
1) Biehle in Arch. f. Musikwiss., 1918/19, 289Ü. 
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