Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wer ist musikalisch? Gedanken zur Psychologie der Tonkunst
Person:
Kries, Johannes von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39735/16/
Intellektuelle und gefühlsmäßige Musikalität. 
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àrbeitungen sind es, vermöge deren die Sinnesempfindungen 
die Grundlage unseres gesamten Erfahrungswissens abgeben. 
Was hier an seelischen Vorgängen in Betracht kommt, bfe>" 
wegt sich im Gebiete des Empfindens und Wahrnehmens., 
des Vorstellens, Denkens, kurzum im Gebiete des Intellek¬ 
tuellen, wie wir zusammenfassend zu sagen pflegen. Lehrt 
die Erfahrung, daß in Bezug auf diesen ganzen Komplex 
seelischen Geschehens Verhalten und Befähigung verschie¬ 
dener Personen große individuelle Unterschiede darbietet, 
so können wir hier von einer intellektuellen Musikalität 
sprechen. — Abgesehen von den besprochenen intellektuellen 
Verhältnissen ist die Musik mit unserem Gefühlsleben 
verflochten. Eine Musik kann unser Wohlgefallen oder unser 
Mißfallen erregen, wir können uns von ihr angezogen oder 
abgestoßen fühlen; wir können sie nicht allein schön oder 
unschön, sondern auch bedeutend, interessant oder lang¬ 
weilig, leer, trivial finden usw. Die hier vorliegenden psycho¬ 
logischen Betätigungen gehören dem Gebiete der Wert¬ 
urteile an, und zwar sind die musikalischen Gebilde der 
Gegenstand ästhetischer Werturteile. In engstem Zu¬ 
sammenhang hiermit stehen aber andere Formen, in denen 
die Musik in unser Gefühlsleben eingreift. Wir fühlen uns 
durch eine Musik heiter oder traurig gestimmt, erhoben oder 
niedergedrückt, erschüttert und erregt oder friedevoll be¬ 
ruhigt, zu tatkräftiger Leistung angespornt oder zu träume¬ 
rischer Untätigkeit gestimmt. Was wir hier in Verbindung 
mit der Musik auftreten sehen, rechnen wir in das psycho¬ 
logische Gebiet der Emotionen. Auch in den das Gefühls^ 
leben betreffenden Hinsichten finden wir nun bekannter¬ 
maßen die größten individuellen Verschiedenheiten. Während 
manche Personen durch Musik in höchstes Entzücken versetzt 
oder auch in anderem Sinne aufs lebhafteste erregt werden 
können, gibt es andere, denen solche Wirkungen überhaupt 
fremd sind, die sich der Musik gegenüber kühl und indifferent 
oder sogar ablehnend verhalten. So können wir der intellek¬ 
tuellen Seite der Musikalität eine andere gegenüberstellen,
        

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