Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/90/
0 fip • 3. 
Directe Wirkung des Nervensystems. 
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hängig vom Willen ist, in hohem Grade von Einfluss auf die Be¬ 
stimmung vieler Ausdrucksformen gewesen ist. Gute Beispiele 
hierfür werden von dem Zittern der Muskeln, dem Schwitzen der 
Haut, den modificirten Absonderungen des Nahrungscanals und 
der Drüsen bei verschiedenen Gemüthserregungen und Empfindun¬ 
gen dargeboten. Aber Thätigkeiten dieser Art werden oft mit 
andern combinirt, welche eine Folge unsres ersten Princips sind, 
nämlich, dass Handlungen, welche häufig von directem oder in- 
directem Nutzen waren, um bei gewissen Seelenzuständen gewisse 
Empfindungen, Begierden u. s. w. zu befriedigen oder zu erleich¬ 
tern, noch immer unter analogen Umständen durch blosse Gewohn¬ 
heit ausgeführt werden, obgleich sie von keinem Nutzen sind. 
Wir sehen Combinationen dieser Art wenigstens zum Theil in 
den wahnsinnigen Geberden der Wuth und in dem Sich-winden 
unter äusserstem Schmerz und vielleicht auch in der vermehrten 
Thätigkeit des Herzens und der Respirationsorgane.* Selbst wenn 
diese und andre Gemüthsbewegungen und Empfindungen in einer 
sehr schwachen Art erregt werden, wird doch eine Neigung zu 
ähnlichen Handlungen in Folge der Macht lange associirter Ge¬ 
wohnheit eintreten; und diese Handlungen, welche am wenigsten 
unter der Contrôle des Willens stehen, werden allgemein am läng¬ 
sten beibehalten. Gelegentlich ist auch unser Princip des Gegen¬ 
satzes gleichfalls ins Spiel gekommen. 
Es können schliesslich so viele ausdrucksvolle Bewegungen 
durch die drei Principien, welche nun erörtert worden sind, erklärt 
werden, — wie sich meiner Überzeugung nach noch im Laufe 
dieses Bandes herausstellen wird, — dass wir hoffen dürfen, später 
alle Ausdrucksformen hierdurch oder durch nahe anologe Princi¬ 
pien erklärt zu sehen. Es ist indessen häufig unmöglich, zu ent¬ 
scheiden, wie viel Gewicht in jedem besondern Falle dem einen 
unsrer Principien und wie viel Gewicht dem andern beizulegen 
ist; und sehr viele Punkte in der Lehre vom Ausdruck bleiben 
noch unerklärt. 
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