Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/81/
y4 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks. Gap. 3. 
Aussersten anzustrengen, um ihre Schmerzen dadurch zu er¬ 
leichtern. 
Wir sehen hieraus, dass die nicht besonders geleitete Aus¬ 
strahlung von Nervenkraft von den afficirt gewesenen Nervenzellen, 
— der lang fortgesetzte Gebrauch, in heftigem Kampfe den Ver¬ 
such zu machen, der Ursache des Leidens zu entfliehen — und 
das Bewusstsein, dass willkürliche Anstrengung der Muskeln den 
Schmerz erleichtert, dass alles dies wahrscheinlich sich vereinigt 
hat, die Neigung zu den heftigsten beinahe convulsivischen Bewe¬ 
gungen im Zustande äussersten Leidens herbeizuführen; und der¬ 
artige Bewegungen mit Einschluss derer der Stimmorgane werden 
ganz allgemein als im hohen Grade ausdrucksvoll für diesen Zu¬ 
stand anerkannt. 
Da die blosse Berührung eines Empfindungsnerven in einer 
directen Weise auf das Herz zurückwirkt, so wird offenbar auch 
heftiger Schmerz in gleicher Weise aber noch weit energischer 
auf dasselbe zurückwirken. Nichtsdestoweniger dürfen wir selbst 
in diesem Falle die indirecte Einwirkung der Gewohnheit auf das 
Herz nicht übersehen, wie wir später noch sehen werden, wenn 
wir die Zeichen der Wuth betrachten. 
Wenn ein Mann in einer Agonie von Schmerz leidet, so rieselt 
ihm häufig der Schweiss das Gesicht herab; und mir hat ein 
Veterinärarzt versichert, dass er häufig gesehen habe, wie bei 
Pferden die Tropfen von dem Bauche herabfallen und die Innen¬ 
seite der Schenkel herabrinnen, ebenso an dem Körper der Rinder, 
wenn diese heftig leiden. Er hat dies beobachtet, als gar kein 
heftiger Kampf vorhanden war, welcher die starke Hautthätigkeit 
erklären konnte. Der ganze Körper des oben erwähnten weib¬ 
lichen Hippopotamus war, während er seine Jungen gebar, mit 
roth gefärbtem Schweisse bedeckt. Dasselbe tritt auch bei äusser/ 
ster Furcht ein. Dasselbe hat Mr. Bartlett beim Rhinoceros 
gesehen, und bei dem Menschen ist es ein bekanntes Symptom. 
Die Ursache der in diesen Fällen hervorbrechenden Transpiration 
ist vollkommen dunkel. Manche Physiologen glauben aber, dass 
sie mit einer Schwäche des capillaren Kreislaufs zusammenhängt, 
und wir wissen allerdings, dass das vasomotorische System, welches
        

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