Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/77/
70 
Allgemeine Gesetze des Ausdrucks. 
Cap. 3. 
dies wird auch ganz allgemein anerkannt und von Allen gefühlt. 
Claude Bernard hebt auch wiederholt hervor, und dies verdient 
besondere Beachtung, dass, wenn das Herz afficirt wird, es auf 
das Gehirn zurückwirkt: andrerseits wirkt aber der Zustand des 
Gehirns wieder durch den herumschweifenden Nerven auf das Herz 
zurück, so dass bei jeder Erregung eine lebhafte w eichelsei tige 
Wirkung und Rückwirkung zwischen diesen beiden bedeutungs¬ 
vollsten Organen des Körpers besteht. 
Das vasomotorische System, welches den Durchmesser der 
kleinen Arterien regulirt, wird vom Sensorium direct beeinflusst, 
wie man sehen kann, wenn ein Mensch vor Scham erröthet. Ich 
glaube aber, dass in diesem letzteren Falle die gehemmte Fort¬ 
leitung der Nervenkraft zu den Gelassen des Gesichts theilweise 
in einer merkwürdigen Art durch Gewohnheit erklärt werden 
kann. Wir werden auch im Stande sein, etwas wenn auch sehr 
wenig Licht auf das unwillkürliche Emporsträuben des Haares 
bei den Erregungen des Schrecks und der Wuth zu werfen. Die 
Thränenabsonderung hängt ohne Zweifel von dem Zusammenhänge 
gewisser. Nervenzellen ab ; aber auch hier können wir einige we¬ 
nige der Schritte verfolgen, durch welche der Abfluss von Nerven- 
kraft den erforderlichen Canälen entlang unter gewissen Seelener¬ 
regungen gewohnheitsgemäss geworden ist. 
Eine kurze Betrachtung der äussern Zeichen einiger der hef¬ 
tigeren Empfindungen und Gemüthserregungen wird am besten 
dazu dienen, uns, wenn,auch nur im allgemeinen Umrisse zu zei¬ 
gen, in welcher complicirten Art und Weise das hier betrachtete 
Princip der directen Thätigkeit des erregten Nervensystems auf 
den Körper mit dem Principe gewohnheitsgemäss associirter zweck¬ 
mässiger Bewegungen verbunden ist. 
Wenn Thiere von einem Anfalle äussersten Schmerzes leiden, 
so winden sie sich meist in fürchterlichen Verdrehungen herum, 
und diejenigen, welche gewöhnlich ihre Stimme gebrauchen, stos- 
sen durchdringende Schreie oder Geheul aus. Fast jeder Muskel 
des Körpers wird in heftige Thätigkeit versetzt. Bei dem Menschen 
ist der Mund dicht zusammengepresst, oder gewöhnlicher sind die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.