Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/54/
Cap. 1. 
Associirte Bewegungen bei Thieren. 
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wenn sie sehen oder hören, dass der Hafer ihren Nachbarn ge¬ 
geben wird. Hier haben wir aber Etwas vor uns, was man bei¬ 
nahe Ausdruck nennen könnte, da das Stampfen des Bodens all¬ 
gemein als ein Zeichen der Begierde anerkannt wird. 
Katzen decken ihre Excremente beider Arten mit Erde zu; 
mein Grossvater aber sah 16, wie eine junge Katze Asche auf einen 
Löffel voll reinen Wassers scharrte, der auf dem Herde vergossen 
war, so dass hier eine gewohnheitsgemässe oder instinctive Hand¬ 
lung irrthümlich nicht durch eine vorausgehende Handlung oder 
durch den Geruch, sondern durch das Gesicht erregt wurde. Es 
ist sehr bekannt, dass Katzen ungern ihre Fusse nass machen, 
wahrscheinlich, weil sie ursprünglich die trockenen Theile von 
Ägypten bewohnt haben, und wenn sic ihre Fusse nass machen, 
so schütteln sie sie heftig. Meine Tochter goss etwas Wasser in 
ein Glas dicht neben dem Kopfe einer jungen Katze, und sofort 
schüttelte diese ihre Eüsse in der gewöhnlichen Art und Weise, 
so dass wir hier eine gewohnheitsgemässe Bewegung haben, die 
irrthümlich durch einen associirten Laut statt durch den Gefühls- 
skm erregt wurde. 
Junge Katzen, junge Hunde, junge Schweine und wahrschein¬ 
lich viele andre junge Thiere stossen mit ihren Vorderfüssen gegen 
die Milchdrüsen ihrer Mütter, um eine reichlichere Milchabsonde¬ 
rung zu erregen oder sie zum Fliessen zu bringen. Es ist nun 
bei jungen Katzen sehr gewöhnlich und durchaus nicht selten bei 
alten Katzen der gewöhnlichen und der persischen Rassen, (welche 
manche Naturforscher für specifisch verschieden halten,) dass sie, 
wenn sie gemüthlich auf einem warmen Shawle oder auf einem 
andern weichen Gegenstände liegen, diesen ruhig und abwechselnd 
mit ihren Vorderfüssen beklopfen ; ihre Zehen sind ausgebreitet 
und die Krallen leicht vorgestreckt, genau so, als wenn sie an 
ihrer Mutter saugten. Dass dies dieselbe Bewegung ist, zeigt 
sich deutlich daraus, dass sie zu derselben Zeit häufig einen Zipfel 
von einem Shawle in ihr Maul nehmen und daran saugen, wobei 
16 Dr. Darwin, Zoonomia, Vol. I. 1794, p. 160. Ich finde in diesem 
Werke auch die Thatsache erwähnt (p. 151), dass die Katzen ihre Füsse 
ausstrecken, wenn sie vergnügt gestimmt sind.
        

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