Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/44/
Cap. 1. 
Iieflexthätigkeiten. 
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„suchte, und schliesslich gebraucht er den Fuss der andern Seite 
„und gelingt es ihm dadurch, die Säure wegzureiben. Offenbar haben 
„wir hier nicht bloss Zusammenziehungen von Muskeln vor uns, 
„sondern combinirte und harmonische Contractionen in gehöriger 
„Aufeinanderfolge zu Erreichung eines speciellen Zwecks. Dies 
„sind Handlungen, welche ganz die Erscheinung darbieten, als 
„würden sie durch den Verstand geleitet und durch den Willen 
„ angeregt, und zwar bei einem Thiere, dessen anerkanntes Organ 
„der Intelligenz und des Willens entfernt worden ist.“ 10 
Den Unterschied zwischen Reflexthätigkeiten und willkürlichen 
Bewegungen sehen wir bei sehr jungen Kindern daran, dass sie, 
wie mir Sir Henry Holland mitgetheilt hat, nicht im Stande 
sind, gewisse Handlungen, die denen des Niesens und Hustens ge¬ 
wisserweise analog sind, ausführen können, namentlich, dass sie 
nicht im Stande sind, sich zu schnauben (d. h. ihre Nase zusam¬ 
menzudrücken und heftig durch den engen Gang zu blasen), und 
dass sie nicht im Stande sind, ihren Hals von Schleim zu reini- 
o-en. Die Ausführung dieser Acte haben sie zu lernen, und doch 
werden sie von uns, wenn wir etwas älter sind, beinahe so leicht 
wie Keflexthätigkeiten vollzogen. Niesen und Husten indessen 
kann nur theilweise oder durchaus gar nicht vom Willen contro- 
lirt werden, während das Keinemachen des Halses oder Räuspern 
und das Schnauben der Nase vollständig unter unsrer Herrschaft 
stehen. 
Wenn wir das Vorhandensein eines reizenden Körperchens 
in unsrer Nase oder unsrer Luftröhre merken, d. h. wenn die¬ 
selben empfindenden Nervenzellen gereizt werden, wie es beim 
Niesen und Husten der Fall ist, so können wir willkürlich die 
Körperchen entfernen dadurch, dass wir mit Kraft Luft durch 
diese Gänge hindurchtreiben. Wir können dies aber nicht mit 
nahezu derselben Kraft, Schnelligkeit und Präcision thun, wie bei 
einer Reflexbewegung. In diesem letztem Falle erregen allem 
Anscheine nach die empfindenden Nervenzellen die motorischen 
Nervenzellen ohne irgend welche Verschwendung von Kraft, wie 
10 Dr. Maudsley, Body and Mind. 1870. p. 8.
        

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