Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/374/
Cap. 14. 
und Schlussbemerkungen. 
B65 
ordentlichsten Art und Weise bei gewissen Gehirnkrankheiten, be¬ 
sonders beim Beginne der entzündlichen Gehirnerweichung, und 
ist das „Echo-Symptom“ genannt worden. Die in dieser Art affi- 
cirten Patienten ahmen ohne jedes Verständniss jede ihnen vorge¬ 
machte absurde Geberde und jedes Wort nach, welches in ihrer 
Nähe, selbst in einer fremden Sprache geäussert wird l. Was die 
Thiere betrifft, so haben der Schakal und der Wolf in der Ge¬ 
fangenschaft das Bellen des Hundes nachahmen lernen. Auf welche 
Weise das Bellen des Hundes zuerst gelernt worden ist, welches 
verschiedene Gemüthserregungen und Begierden auszudrücken dient 
und welches deshalb so merkwürdig ist, als es erst erlangt wor¬ 
den ist, seitdem das Thier domesticirt worden ist, und als es von 
verschiedenen Rassen in verschiedenem Grade vererbt wird, wissen 
wir nicht; könnten wir aber nicht vermuthen, dass die Nachah¬ 
mung bei seiner Erlangung etwas zu thun gehabt hat, insofern 
nämlich die Hunde lange Zeit in enger Association mit einem so 
gesprächigen Thiere wie der Mensch eines ist gelebt haben? 
Im Verlaufe der vorstehenden Bemerkungen und durch dieses 
ganze Buch habe ich häufig eine bedeutende Schwierigkeit in Be¬ 
zug auf die gehörige Anwendung der Ausdrücke Willen, Bewusst¬ 
sein und Beabsichtigung empfunden. Handlungen, welche anfangs 
willkürlich sind, werden bald gewohnheitsgemäss und zuletzt erb¬ 
lich, und dann können sie selbst im Gegensatz zum Willen aus¬ 
geführt werden. Obschon sie häufig den Seelenzustand verrathen, 
so wurde doch dieses Resultat anfangs weder beabsichtigt noch 
erwartet. Selbst solche Worte, wie dass „gewisse Bewegungen 
„ als Mittel des Ausdrucks dienen “ können leicht irre leiten, da 
sie den Gedanken einschliessen, dass dies ihr ursprünglicher Zweck 
war. Dies scheint indessen nur selten oder niemals der Fall ge¬ 
wesen zu sein ; die Bewegungen sind entweder anfänglich von irgend 
einem directen Nutzen gewesen, oder sie sind die indirecte Wir¬ 
kung des gereizten Zustandes des Sensorium. Ein kleines Kind 
kann entweder absichtlich oder instinctiv schreien, um zu zeigen, 
1 siehe die interessanten von Dr. Bateman über „Aphasie“ mitge- 
theilten Thatsachen, 1870, p. 110.
        

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