Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/350/
Cap. 13. 
Erröthen. — Etikettenfehler. 
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durch Association zu ähnlichen Resultaten führen, während die 
Misbilligung Gottes keine derartige Association hervorruft. 
Gar manche Person ist intensiv erröthet, wenn sie irgend 
eines Verbrechens angeschuldigt wurde, trotzdem sie vollständig 
unschuldig war. Seihst der Gedanke (wie die eben erwähnte Dame 
gegen mich bemerkt hat), dass Andre denken, dass wir eine un¬ 
freundliche oder dumme Bemerkung gemacht haben, ist weitaus 
genügend ein Erröthen zu verursachen, obschon wir die ganze Zeit 
hindurch wissen, dass wir vollständig mis verstanden worden sind. 
Eine Handlung kann verdienstlich oder von einer gleichgültigen 
Natur sein, aber eine empfindsame Person wird, wenn sie nur ver- 
muthet, dass Andre eine verschiedene Ansicht hiervon haben, er¬ 
röthen. Z. B. kann eine Dame für sich allein Geld einem Bettler 
geben ohne eine Spur eines Erröthens. Wenn aber Andre noch 
gegenwärtig sind und sie zweifelt, ob sie es billigen, oder ver- 
muthet, dass sie glauben, sie würde von dem Wunsche beeinflusst, 
sich zu zeigen, so wird sie erröthen. Dasselbe wird der Eall sein, 
wenn sie sich erbietet, die Noth einer herabgekommenen Erau aus 
bessern Ständen zu erleichtern, noch besonders einer solchen, die 
sie früher unter bessern Verhältnissen gekannt hat, da sie dann 
nicht sicher sein kann, wie ihre Handlungsweise betrachtet wer¬ 
den wird. Aber derartige Fälle gehen in Schüchternheit über. 
Verletzungen der Etikette. —Die Regeln der Etikette 
beziehen sich immer auf unser Betragen in der Gegenwart von 
Andern oder Andern gegenüber. Sie haben keinen noth wendigen 
Zusammenhang mit dem moralischen Gefühle und sind oft bedeu¬ 
tungslos. Da sie aber von dem feststehenden Gebrauche unserer 
Gleichstehenden und Obern abhängen, deren Meinung wir hoch in 
Ansehen halten, so werden sie nichtsdestoweniger beinahe als 
ebenso bindend betrachtet, wie die Gesetze der Ehre es für einen 
gebildeten Menschen sind. In Folge dessen wird ein Verletzen 
der Gesetze der Etikette, d. h. irgend eine Unhöflichkeit oder 
gaucherie, irgend eine unpassende Handlung oder unpassende 
Bemerkung, wenn sie auch ganz zufällig ist, das intensivste Er¬ 
röthen verursachen, dessen ein Mensch nur fähig ist. Selbst die
        

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