Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/345/
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Erröthen. 
Cap. 13. 
jeiligen Menschenrassen, welche gewohnheitsgemäss fast nackt 
gehen, erstreckt sich das Erröthen über einen viel grösseren 
Theil des Körpers als bei uns. Diese Thatsachen sind in einem 
gewissen Grade verständlich, da die Selbstbeachtung der Urmen¬ 
schen ebenso wie derjenigen existirenden Rassen, welche noch 
immer nackt gehen, nicht so ausschliesslich auf ihr Gesicht be¬ 
schränkt gewesen sein wird, wie es hei den Völkern der Fall ist, 
welche jetzt bekleidet einhergehen. 
Wir haben gesehen, dass in allen Theilen der Welt Personen, 
welche über irgend ein moralisches Vergehn Scham fühlen, geneigt 
sind, ihr Gesicht abzuwenden, nieder zu beugen oder zu verbergen, 
unabhängig von irgend einem Gedanken über ihre persönliche Er¬ 
scheinung. Die Absicht kann hier kaum die sein, ihr Erröthen 
zu verbergen, denn das Gesicht wird dabei unter Umständen ab¬ 
gewendet oder verborgen, welche jeden Wunsch, die Scham zu 
verbergen, ausschliessen, so wenn eine Schuld umständlich bekannt 
und bereut wird. Es ist indess wahrscheinlich, dass der Urmensch, 
ehe er eine grosse moralische Empfindlichkeit erlangt hatte, im 
hohen Grade in Bezug auf seine persönliche Erscheinung empfind¬ 
lich gewesen ist, wenigstens in Rücksicht auf das andre Geschlecht, 
und er wird in Folge dessen bei jeder geringschätzigen Bemer¬ 
kung über seine Erscheinung Unbehagen empfunden haben. Dies 
ist eine Form der Scham; und da das Gesicht derjenige Theil 
des Körpers ist, welcher am meisten angesehen wird, so ist es 
verständlich, dass ein Jeder, der über seine persönliche Erschei¬ 
nung in Scham geräth, den Wunsch haben wird, diesen Theil 
seines Körpers zu verbergen. Ist die Gewohnheit einmal hiernach 
erlangt worden, so wird sie natürlich beibehalten worden sein, 
wenn Scham aus streng moralischen Ursachen empfunden wurde. 
Es ist nicht leicht in andrer Weise einzusehen, warum unter diesen 
Umständen ein Verlangen noch vorhanden sein sollte, das Gesicht 
mehr als irgend einen andern Theil des Körpers zu verbergen. 
Die bei einem Jeden, der sich beschämt fühlt, so allgemeine 
Angewöhnung, sich weg zu wenden oder seine Augen zu senken, 
oder dieselben unruhig von einer Seite zur andern zu bewegen, ist 
wahrscheinlich eine Folge davon, dass jeder auf die gegenwärtigen
        

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