Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/344/
Cap. 13. 
Erröthen. 
335 
sclileclits als in der ihres eigenen 25. Ein junger nicht leicht er- 
röthender Mann wird sofort bei irgend einer unbedeutenden lächer¬ 
lichen Bemerkung eines Mädchens über seine Erscheinung intensiv 
erröthen, dessen Urtheil über irgend einen wichtigen Gegenstand 
er vollständig unbeachtet lassen würde. Kein glückliches Paar 
junger Liebenden, welche die Bewunderung und die Liebe des an¬ 
dern höher als irgend etwas in der Welt werth halten, hat sich 
wahrscheinlich je um einander beworben ohne so manches Er¬ 
röthen. Selbst die Barbaren des Feuerlandes erröthen nach Mr. 
Bridges „hauptsächlich in Bezug auf die Frauen, aber sicher auch 
„über ihre eigene persönliche Erscheinung.“ 
Von allen Theilen des Körpers wird das Gesicht am meisten 
betrachtet und angesehen, wie es auch natürlich ist, da es der 
hauptsächlichste Sitz des Ausdrucks und die Quelle der Stimme 
darbietet. Es ist auch der hauptsächlichste Sitz der Schönheit 
und der Hässlichkeit und über die ganze Erde ist es der am 
meisten geschmückte Theil 26. Es wird daher das Gesicht wäh¬ 
rend vieler Generationen einer näheren und eingehenderen Selbst¬ 
betrachtung unterworfen gewesen sein als irgend ein andrer Theil 
des Körpers ; und in Übereinstimmung mit dem hier erwähnten 
Gesetze können wir einsehen, warum es am meisten dem Er¬ 
röthen unterworfen ist. Obschon der Umstand, dass sie den 
Temperaturveränderungen u. s. w. am meisten ausgesetzt ge¬ 
wesen sind, wahrscheinlich die Fähigkeit der Erweiterung und 
Zusammenziehung in den Haargefässen des Gesichts und der be¬ 
nachbarten Theile bedeutend erhöht hat, so wird dies doch an 
sich kaum erklären, dass diese Theile viel mehr als der übrige 
Körper erröthen; denn es erklärt die Thatsache nicht, dass die 
Hände so selten erröthen. Bei Europäern prickelt der ganze 
Körper leicht, wenn das Gesicht intensiv erröthet, und bei den- 
25 Mr. Bain bemerkt (The Emotions and the Will, 1865, p. 65) über 
die Schüchternheit der Manieren, dass dieselbe „bei dem Verkehr der bei- 
„den Geschlechter durch den Einfluss der gegenseitigen Beachtung herbei- 
„geführt werde und zwar in Folge der beiderseitigen Besorgniss, nicht gut 
„zu einander zu passen.“ 
26 siehe für Belege über diesen Punkt : Die Abstammung des Menschen, 
Bd. II. S. 61, 299.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.