Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/343/
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Erröthen. 
Cap. IB. 
Aufmerksamkeit das fundamentale Element bei der Erlangung der 
Gewohnheit des Erröthens gewesen ist, sollen jetzt mitgetheilt 
werden. Einzeln sind sie unbedeutend, besitzen aber in Verbin¬ 
dung, wie es mir scheint, beträchtliches Gewicht. Es ist noto¬ 
risch, dass nichts eine schüchterne Person so stark zum Erröthen 
bringt als irgend eine wenn auch noch so unbedeutende Bemer¬ 
kung über ihre persönliche Erscheinung. Man kann selbst den 
Anzug einer leicht zum Erröthen geneigten Frau nicht beachten, 
ohne dadurch zu veranlassen, dass sich ihr Gesicht purpurn färbt. 
Bei manchen Personen genügt es, sie scharf anzustarren, um sie, 
wie Coleridge bemerkt, erröthen zu machen: — „Erkläre dies 
wer kann“ 23. 
Bei den zwei von Dr. Burgess 24 beobachteten Albinos ver¬ 
ursachte „der geringste Versuch, ihre Eigenthümlichkeiten zu 
„untersuchen, ausnahmslos ein tiefes Erröthen.“ Frauen sind 
viel empfindlicher in Bezug auf ihre persönliche Erscheinung als 
es Männer sind, besonders alte Frauen im Vergleich mit alten 
Männern. Auch erröthen sie viel leichter. Die jungen Indivi¬ 
duen beiderlei Geschlechts sind in Bezug auf denselben Punkt viel 
empfindlicher als die alten und sie erröthen auch viel leichter 
als alte. Kinder erröthen in einem sehr frühen Alter nicht, auch 
zeigen sie die andern Zeichen des Selbstbewusstseins nicht, welche 
allgemein das Erröthen begleiten, und es ist einer ihrer Haupt¬ 
reize, dass sie nicht darüber nachdenken, wras Andere von ihnen 
denken. In diesem frühen Alter können sie einen Fremden mit 
einem festen Blicke und nicht blinkenden Augen wie einen un¬ 
belebten Gegenstand anstarren in einer Weise , welche wir ältere 
Personen nicht nachahmen können. 
Es ist für Jedermann klar, dass junge Männer und Frauen 
in Bezug auf die gegenseitige Meinung hinsichtlich ihrer persön¬ 
lichen Erscheinung im hohen Grade empfindlich sind, und sie er¬ 
röthen unvergleichlich mehr in der Gegenwart des andern Ge- 
23 Im Laufe einer Erörterung über den sogenannten thierischen Mag¬ 
netismus, in: Table Talk, Vol. I. 
21 a. a. 0 p. 40.
        

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