Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/285/
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Ausdruck der Unfähigkeit, Geduld etc. 
Cap. 11- 
„Signor Antonio, viel und oftermals 
Habt Ihr auf dem Rialto mich geschmäht 
Um meine Gelder und um meine Zinsen ; 
Stets trug ich’s mit geduld’gem Achselzucken.“ 
Kaufmann von Venedig, Act 1. Scene 3. 
Sir Ch.. Bell hat eine lebensgetreue Abbildung eines Mannes 
gegeben l4, welcher vor irgend einer fürchterlichen Gefahr zurück¬ 
schreckt und im Begriffe ist, in verlorener Angst aufzuschreien. 
Er ist dargestellt mit seinen Schultern beinahe bis zu den Ohren 
erhoben und dies deutet sofort an, dass kein Gedanke an Wider¬ 
stand vorhanden ist. 
Da das Zucken mit den Schultern allgemein den Sinn hat: 
„ich kann dies oder das nicht thun“, so drückt es zuweilen durch 
eine unbedeutende Aenderung aus: „ich will es nicht thun.“ Die 
Bewegung drückt dann einen festen Entschluss aus, nicht zu 
handeln. Olmsted beschreibt 15 einen Indianer in Texas, welcher 
stark mit seinen Schultern zuckte, als ihm mitgetheilt wurde, 
dass eine Partie Reisende Deutsche wären und nicht Amerikaner, 
wromit er ausdrücken wollte, dass er nichts mit ihnen zu thun 
haben wollte. Bei mürrischen und halsstarrigen Kindern kann 
man sehen, wie sie ihre beiden Schultern hoch emporhohen. Diese 
Bewegung wird aber nicht von andern begleitet, welche allgemein 
ein^ achtes Schulterzucken begleiten. Ein ausgezeichneter Beob¬ 
achter 16 sagt, als er einen jungen Mann beschreibt, welcher ent¬ 
schlossen war, dem Wunsche seines Vaters nicht nachzugeben: 
„er steckte seine Hände tief in die Tasche, zog die Schultern bis 
„an die Ohren in die Höhe, welches ein deutliches Zeichen dafür 
„war, dass, mag es recht oder unrecht sein, dieser Fels sich von 
„seiner festen Unterlage fortbewegen würde, sobald es Jack wollte, 
„und dass irgend welche Vorstellung über die Sache vollständig 
„vergebens sei. Sobald der Sohn seinen Willen erlangt hatte, 
„brachte er seine Schultern in ihre natürliche Lage.“ 
14 Anatomy of Expression, p. 166. 
15 Journey through Texas, p. 352. 
16 Mrs. Oliphant, The Brownlows, p. 206.
        

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