Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/282/
Cap. 11. 
Zucken uiit den Schultern. 
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ist bei vielen Arten von Thieren eine häufig vorkommende That- 
sache, dass gewisse Charaktere eine gewisse Zeit lang von den 
Jungen beibehalten, dann aber verloren werden. 
Da es mir eine Zeit lang in hohem Grade unwahrscheinlich 
erschien, dass eine so complicate Geberde wie das Zucken mit den 
Schultern in Verbindung mit den dasselbe begleitenden Bewegun¬ 
gen eingeboren sein sollte, so war ich begierig, zu ermitteln, ob 
die blinde und taube Laura Bridgman, welche die Angewohnheit 
nicht durch Nachahmung erlernt haben kann, sie ausübte. Und 
ich habe nun durch Dr. Innés von einer Dame, welche noch kürz¬ 
lich das Kind unter ihrer Pflege hatte, gehört, dass sie mit ihren 
Schultern zuckt, ihre Ellenbogen nach innen dreht und ihre Augen¬ 
brauen in derselben Weise wie andre Leute und unter ähnlichen 
Umständen erhebt. Ich war auch begierig, zu erfahren, ob diese 
Geberde von den verschiedenen Menschenrassen ausgeführt würde, 
besonders von denen, welche niemals irgend welchen bedeutenden 
Verkehr mit Europäern gehabt hatten, und wir werden sehen, dass 
sie diese Bewegung ausführen. Es scheint aber, dass die Geberde 
zuweilen bloss auf das Erheben oder Zucken der Schultern be¬ 
schränkt ist, ohne dass die andern Bewegungen gleichzeitig mit 
ausgeführt würden. 
Mr. Scott hat diese Geberde häufig bei den Bengalesen und 
Dhangars (die letzteren bilden eine besondre Rasse) gesehen, welche 
im botanischen Garten in Calcutta beschäftigt werden; so wenn 
sie z. B. erklärten, dass sie irgend eine Arbeit, wie das Erheben 
einer schweren Last nicht thun könnten. Er befahl einem Ben¬ 
galesen, auf einen hohen Baum zu klettern. Der Mann sagte aber 
mit einem Zucken seiner Schultern und einem Seitwärtsschütteln 
seines Kopfes, er könne es nicht. Mr. Scott wüsste, dass der 
Mann faul war, glaubte, er könne es doch und bestand darauf, 
dass er es versuche. Sein Gesicht wurde nun bleich, seine Arme 
hiengen schlaff an den Seiten herunter, sein Mund und seine Augen 
wurden weit geöffnet, und nun blickte er, den Baum nochmals 
abmessend, scheu von der Seite auf Mr. Scott hin, zuckte'mit den 
Schultern, wendete seine Ellenbogen nach innen, streckte seine 
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