Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/280/
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Ausdruck der Hülflosigkeit. 
Cap. 11. 
lebte. Es mag noch hinzugefügt werden, dass dieses kleine Mäd¬ 
chen ihrem Pariser Grossvater im Gesichte in einem beinahe 
lächerlichen Grade ähnlich ist. Sie bietet noch eine andre und 
sehr merkwürdige Ähnlichkeit mit diesem dar, nämlich, dass sie 
eine eigentümliche kleine Angewohnheit hat. Wenn sie unge¬ 
duldig irgend etwas zu haben wünscht, so streckt sie ihre kleine 
Hand aus und reibt geschwind den Daumen gegen den Zeige- und 
Mittelfinger, und diesen selben kleinen Zug bot unter denselben 
Umständen ihr Grossvater sehr häufig dar. 
Die zweite Tochter desselben Herrn zuckte auch ihre Schul¬ 
tern vor dem Alter von achtzehn Monaten und gab später die 
Gewohnheit wieder auf. Es ist natürlich möglich, dass sie ihrer 
ältern Schwester nachgeahmt haben kann, aber sie fuhr noch mit 
dieser Bewegung fort, nachdem ihre Schwester die Gewohnheit 
bereits verloren hatte. Anfangs war sie ihrem Pariser Grossvater 
in einem mindern Grade ähnlich als ihre Schwester in demselben 
Alter es war. Jetzt ist sie es aber in einem noch grossem Grade. 
Auch sie übt noch bis heute die eigenthümliche Gewohnheit aus, 
wenn sie ungeduldig etwas verlangt, ihren Daumen und ihre zwei 
Vorderfinger aufeinander zu reiben. 
In diesem letztem Falle liegt ein gutes Beispiel vor für die 
in einem frühem Capitel gegebene Thatsache von der Vererbung 
eines Zuges oder einer Geberde. Denn ich vermuthe doch, dass 
Niemand eine so eigenthümliche Gewohnheit wie diese, welche 
dem Grossvater und zweien seiner Enkelkindern gemeinsam war, 
die ihn nie gesehen hatten, einem bloss zufälligeu Zusammentreffen 
zuschreiben wird. 
Betrachtet man alle diese Verhältnisse in Bezug auf den Um¬ 
stand, dass diese Kinder ihre Schultern zuckten, so lässt sich 
kaum bezweifeln, dass sie diese Gewohnheit von ihren französi¬ 
schen Vorfahren geerbt hatten, trotzdem sie nur ein Viertel fran¬ 
zösischen Blutes in ihren Adern hatten und trotzdem ihr Gross- 
* 
vater nicht häufig mit seinen Schultern zuckte. Darin, dass diese 
Kinder durch Vererbung eine Gewohnheit in früher Kindheit er¬ 
langt und dann wieder aufgegeben haben, liegt nichts sehr Unge¬ 
wöhnliches, wenn auch die Thatsache interessant ist. Denn es
        

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