Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/278/
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Ausdruck des Stolzes. — Hilflosigkeit. 
Cap. 11. 
vorhin beschriebenen um die Nasenlöcher oder die Lippen herum. 
Der Muskel, welcher die untere Lippe umwendet, ist daher der 
Musculus superbus genannt worden. In einigen Photographien 
von Patienten, die an der Monomanie des Stolzes litten und die 
mir Dr. Chrichton Browne geschickt hat, wurde der Kopf und 
der Körper aufrecht getragen und der Mund fest geschlossen. 
Diese letztere Thätigkeit, die für die Entschiedenheit ausdrucks¬ 
voll ist, ist, wie ich vermuthe, eine Folge davon, dass der stolze 
Mensch vollständiges Selbstvertrauen in sich fühlt. Der ganze 
Ausdruck des Stolzes steht in directem Gegensätze zu dem der 
Demuth, so dass hier von dem letzteren Seelenzustande nichts 
weiter gesagt zu werden braucht. 
Hülflosigkeit. Unfähigkeit: Zucken mit den Schul¬ 
tern. — Wenn Jemand auszudrücken wünscht, dass er etwas 
nicht thun, oder nicht verhindern kann, dass etwas geschehe, so 
erhebt er oft mit einer schnellen Bewegung beide Schultern. Wenn 
die ganze Geberde vollkommen ausgeführt wird, so biegt er zu 
derselben Zeit seine Ellenbogen dicht nach innen, erhebt seine 
offnen Hände und dreht dieselben nach auswärts mit auseinander 
gespreizten Fingern. Häufig wird der Kopf etwas nach einer 
Seite gewendet, die Augenbrauen werden erhoben, was dann wie¬ 
der Falten quer über die Stirn verursacht. Allgemein wird dabei 
der Mund geöffnet. Ich will hierbei noch erwähnen, um zu zei¬ 
gen, wie unbewusst die Gesichtszüge hier beeinflusst werden, dass, 
obschon ich häufig absichtlich mit meinen Schultern gezuckt 
hatte, um zu beobachten, wie sich meine Arme stellen würden, 
ich doch durchaus mir dessen nicht bewusst wurde, dass meine 
Augenbrauen gehoben und mein Mund geöffnet wurde, bis ich 
mich selbst im Spiegel betrachtete; und seit der Zeit habe ich 
dann dieselben Bewegungen auch auf den Gesichtern andrer Leute 
bemerkt. In den beistehenden Fig. 3 und 4 auf Tafel VI. hat 
Mr. Bejlander mit vielem Erfolge die Geberde des Zuckens mit 
den Schultern dargestellt. 
Engländer sind im Ganzen viel weniger demonstrativ als die 
Menschen der meisten andern europäischen Nationen es sind, und
        

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