Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/272/
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Ausdruck des Abscheus. 
Cap. 11. 
durch Bewegungen rings um den Mund ausgedrückt, welche mit 
denen identisch sind, die für den Act des Erbrechens vorbereitend 
sind. Der Mund wird weit geöffnet, die Oberlippe stark zurück¬ 
gezogen, welches die Seiten der Nase in starke Falten bringt, und 
die Unterlippe vorgestreckt und so viel als möglich umgewendet. 
Diese letztere Bewegung erfordert die Zusammenziehung der Mus¬ 
keln. welche die Mundwinkel herunterziehen 8. 
7 ^ 
Es ist merkwürdig, wie leicht und augenblicklich entweder 
blosses Würgen oder wirkliches Erbrechen bei manchen Personen 
durch die blosse Idee herbeigeführt wird, an irgend einer unge¬ 
wöhnlichen Nahrung theilgenommen zu haben, wie an einem 
Thiere, welches gewöhnlich nicht gegessen wird, trotzdem nichts 
in einer derartigen Speise vorhanden ist, was den Magen veran¬ 
lassen könnte, sie wieder auszuwerfen. Erfolgt Erbrechen als 
eine Reflexthätigkeit aus irgend einer wirklichen Ursache — so 
in Folge zu reichlicher Nahrung oder verdorbenen Fleisches odei 
in Folge eines Brechmittels — so erfolgt es nicht augenblicklich, 
sondern gewöhnlich nach einem beträchtlichen Zeiträume. Um 
daher das Würgen oder Erbrechen, welches so schnell und leicht 
durch eine blosse Idee erregt wird, erklären zu können, entsteht 
die Vermuthung, dass unsre Urerzeuger früher die Fähigkeit ge¬ 
habt haben müssen (ähnlich wie die, welche die Wiederkäuer und 
einige andere Thiere besitzen) willkürlich Nahrung, welche ihnen 
nicht zusteht, oder von welcher sie glauben, dass sie ihnen nicht 
bekommt, auswerfen zu können. Und wenn nun auch diese Fähig¬ 
keit verloren gegangen ist, so weit der Wille dabei in Betracht 
kommt, so wird sie doch zu unwillkürlicher Thätigkeit gerufen 
«und zwar durch die Kraft einer früher wohlbefestigten Gewohn¬ 
heit, sobald der Geist vor der Idee zurückschreckte, irgend eine 
gewisse Art von Nahrung oder irgend etwas Widerwärtiges über¬ 
haupt genossen zu haben. Diese Vermuthung erhält durch die 
Thatsache* w7elche mir Mr. Sutton versichert hat, Unterstützung, 
8 Duchenne glaubt, dass bei dem Umstülpen der Unterlippe die Win¬ 
kel von den depressores anguli oris herabgezogen werden. Henle (Hand¬ 
buch d. system. Anatomie des Menschen, Bd. 1. 1858. S. 151) kommt zum 
Schlüsse, dass dies durch den musculus quadratus menti bewirkt wird.
        

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