Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/270/
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Cap. 11. 
Ausdruck der Verachtung. 
wir unsre Verachtung ausdrücken. Da wir aber, so oft wir nur 
einen unangenehmen Geruch oder einen unangenehmen Anblick 
wahrgenommen haben, Bewegungen dieser Art ausgeführt haben, 
so sind sie gewohnheitsgemäss oder fixirt worden und werden nun 
unter jedem analogen Seelenzustande angewendet. 
Verschiedene merkwürdige kleine Geherden deuten gleicher¬ 
weise Verachtung an, z. B. mit den Fingern, „ein Schnippchen 
„schlagen.“ Dies ist, wie Mr. Tylor bemerkt6, „nicht leicht zu 
„verstehen, sowie wir es allgemein sehen. Wenn wir aber be¬ 
merken, dass dieselben Zeichen, wenn sie vollständig ruhig ge¬ 
macht werden, wie wenn wir irgend einen kleinen Gegenstand 
„zwischen dem Zeigefinger und Daumen wegrollen, oder wenn wir 
„einen solchen mit dem Daumennagel und Zeigefinger wegschnip- 
„pen, gewöhnliche und ganz gut verstandene Geberden der Taub¬ 
stummen sind, welche irgend etwas Geringes, Unbedeutendes, 
.Verächtliches bezeichnen, so scheint es, als wenn wir hier eine 
3/ 
„vollkommen natürliche Handlungsweise übertrieben und conven- 
, tionell in einer Weise mit einer Bedeutung versehen hätten, dass 
„ihre ursprüngliche Meinung ganz verloren gegangen ist. Eine 
„merkwürdige Erwähnung dieser Geberde findet sich bei Strabo.“ 
Mr. Washington Matthews theilt mir mit, dass bei' den Dakota- 
Indianern von Nord-Amerika Verachtung nicht bloss durch Be¬ 
wegungen des Gesichts sowie die oben beschriebenen ausgedrückt 
wird, sondern auch „conventioneil dadurch, dass die Hand ge¬ 
schlossen und in die Nähe der Brust gehalten wird, dass dann 
„der Vorderarm plötzlich ausgestreckt, die Hand geöffnet und die 
„Finger von einander gespreizt werden. Wenn die Person, auf 
„deren Kosten das Zeichen gemacht wird, anwesend ist, so wird 
„die Hand nach ihr hin und der Kopf zuweilen von ihr wegge- 
„wendet.“ Dieses plötzliche Ausstrecken und Öffnen der Hand 
deutet vielleicht das Fallenlassen oder Wegwerfen eines werthlosen 
Gegenstandes an. 
Der Ausdruck „Abscheu oder Widerwillen“ in seiner ein¬ 
fachsten Bedeutung bezeichnet etwas dem Geschmacke Wider- 
6 Early History of Mankind, 2. edit. 1870, p. 45.
        

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