Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/268/
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Ausdruck der Verachtung. 
Cap. 11. 
dene. Aus diesen Umständen hat Mr. Lemoine gefolgert l, dass 
ihre Beschreibungen nicht zuverlässig sind. Wft werden aber so¬ 
fort sehen, dass es sehr natürlich ist, dass die Empfindungen, 
welche wir hier zu betrachten haben, auf viele verschiedenartige 
Weise ausgedrückt werden, insofern verschiedne gewohnheitsge- 
mässe Handlungen gleichmässig gut, durch das Princip der Asso¬ 
ciation nämlich, zum Ausdrucke derselben dienen. 
Spott und Geringschätzung können ebenso wie Hohn und her¬ 
ausfordernder Trotz durch ein unbedeutendes Entblössen des Eck¬ 
zahns auf einer Seite des Gesichts dargestellt werden, und diese 
Bewegung scheint allmählich in eine andre überzugehen, die einem 
Lächeln ausserordentlich ähnlich ist. Oder das Lächeln oder das 
Lachen kann ein wirkliches sein, wenn auch ein höhnisches, und 
dies setzt voraus, dass der Beleidiger so bedeutungslos ist, dass 
er nur Erheiterung erregt ; die Erheiterung ist aber meist nur 
ein Vorwand. Gaika bemerkt in seinen Antworten auf meine 
Fragen, dass von seinen Landsleuten, den Kaffern, Verachtung ge¬ 
wöhnlich durch ein Lächeln gezeigt wird; und der Rajah Brooke 
machte dieselbe Beobachtung in Bezug auf die Dyaks von Borneo. 
Da das Lachen ursprünglich der Ausdruck einfacher Freude ist, 
so lachen, wie ich glaube, kleine Kinder niemals aus Hohn. 
Das theilweise Schliessen der Augenlider, wie Duchenne her¬ 
vorhebt 2, oder das Wegwenden der Augen oder auch des ganzen 
Körpers sind gleichfalls äusserst ausdrucksvoll für Geringschätzung. 
Diese Handlungen scheinen erklären zu sollen, dass die verachtete 
Person nicht werth ist, angesehen zu werden oder unangenehm 
anzusehen ist. Die beistehende Photographie (Tafel V, Fig. 1) 
von Mr. Rejlander zeigt diese Form der Geringschätzung. Sie 
stellt eine junge Dame dar, von der man sich vorstellen kann, 
dass sie die Photographie eines verachteten Liebhabers zerreisst. 
Die gewöhnlichste Methode, Verachtung auszudrücken, ist die 
durch gewisse Bewegungen um die Nase und um den Mund. Aber die 
1 De la Physionomie et de la Parole, 1865, p. 89. 
2 Physionomie Humaine, Album, Légende VIII, p. 35. Gratiolet 
spricht auch (De la Physionomie, 1865, p. 52) von dem Wegwenden dei 
Augen und des Kopfes.
        

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