Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/21/
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Einleitung. 
bewegung oder von welchem Gefühl der alte Mann ihrer Ver- 
muthung nach wohl erregt sei; die Antworten, die ich erhielt, 
notirte ich mir mit den von ihnen gebrauchten Worten. Mehrere 
dieser Ausdrucksformen wurden von beinahe jeder Person augen- 
bliklich erkannt, wenn sie auch nicht mit genau denselben Worten 
beschrieben wurde, und ich glaube, dass man diese als natur¬ 
getreu ansehn kann; ich werde sie später einzeln anführen. Auf 
der andern Seite wurden in Bezug auf einige derselben die aller¬ 
verschiedensten Urtheile geäussert. Dieses Vorzeigen war noch 
in einer andern Art von Nutzen, da es mich überzeugte, wie leicht 
wir von unsrer Einbildung irregeführt werden können; denn als 
ich zum ersten Male Dr. Duchenne’s Photographien durchsah und 
gleichzeitig den dazu gehörigen Text las, wobei ich erfuhr, was 
darzustellen beabsichtigt worden war, wurde ich von der Wahr¬ 
haftigkeit aller, mit nur wenig Ausnahmen, mit Bewunderung er¬ 
füllt. Wenn ich aber dieselben ohne Erklärung durchgesehn hätte, 
so würde ich demungeachtet ohne Zweifel ebenso sehr in manchen 
Fällen in Verwirrung gerathen sein, wie es andern Personen er¬ 
gangen ist. 
Viertens hatte ich auch gehofft, von den grossen Meistern 
der Malerei und Bildhauerkunst eine grosse Hülfe zu erhalten, 
welche so eingehende Beobachter sind. Ich habe daher Photo¬ 
graphien und Kupferstiche vieler allgemein bekannter Kunstwerke 
genau betrachtet, habe aber, mit wenig Ausnahmen, dadurch keinen 
Vortheil erlangt. Der Grund hiervon ist ohne Zweifel der, dass 
bei Werken der Kunst die Schönheit das hauptsächliche, oberste 
Ziel ist; und stark contrahirte Gesichtsmuskeln zerstören die 
Schönheit 19. Die der Composition zum Ausgangspunkte dienende 
Geschichte wird meistens durch geschickt angebrachte Nebendinge 
mit wunderbarer Kraft zur Darstellung und zum Ausdrucke ge¬ 
bracht. 
Fünftens schien es mir von grosser Bedeutung zu sein, zu 
ermitteln, ob dieselben Weisen des Ausdrucks, dieselben Geberden 
bei allen Menschenrassen, besonders bei denjenigen, welche nur 
19 Siebe Bemerkungen hierüber in Lessing’s Laokoon.
        

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