Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/17/
10 
Einleitung. 
druck“ seien, oder „eine specielle Einrichtung“ für diesen einen 
Zweck darstellen 12. Aber schon die einfache Thatsache, dass die 
menschenähnlichen Affen die nämlichen Gesichtsmuskeln wie wir 
besitzen 13, macht es sehr unwahrscheinlich, dass diese Muskeln 
bei uns ausschliesslich dem Gesichtsausdrucke dienen; denn ich 
denke doch, dass Niemand anzunehmen geneigt sein wird, dass 
Affen mit speciellen Muskeln begabt worden sind nur zu dem 
Zwecke ihre widerlichen Grimassen darzustellen. Es lassen sich 
in der That bestimmte, vom Ausdrucke unabhängige Gebrauchs¬ 
weisen mit grosser Wahrscheinlichkeit für beinahe alle Gesichts¬ 
muskeln nachweisen. 
Sir Ch. Bell wünschte offenbar einen so weiten Unterschied 
zwischen dem Menschen und den niederen Thieren zu machen als 
nur möglich; und in Folge hiervon behauptet er, dass „bei den 
„niederen Geschöpfen kein Ausdruck vorhanden ist als das, was 
„man mehr oder weniger deutlich auf die Aeusserungen ihres 
„Willens oder die nothwendigen Instincte zurückführen kann.“ 
Er behauptet ferner, dass ihre Gesichter „hauptsächlich im Stande 
„zu sein scheinen, Wuth oder Furcht auszudrücken“ u. Aber 
selbst der Mensch kann Liebe und Demuth durch äussere Zeichen 
nicht so deutlich ausdrücken als ein Hund, wenn er mit hängen¬ 
den Ohren, herabhängenden Lippen, sich windendem Körper und 
wedelndem Schwänze seinem geliebten Herrn begegnet. Auch 
lassen sich diese Bewegungen beim Hunde nicht durch Hand¬ 
lungen des Willens oder nothwendige Instincte erklären, ebenso¬ 
wenig wie das Glänzen der Augen und das Lächeln der Wangen 
bei einem Menschen, wenn er einen alten Freund trifft. Wenn 
Sir Ch. Bell über den Ausdruck der Zuneigung beim Hunde ge¬ 
fragt worden wäre, so würde er ohne Zweifel geantwortet haben, 
12 Anatomy of Expression 3. edit. p. 98, 121, 131. 
13 Professor Owen führt ausdrücklich an (Proceed. Zoolog. Soc. 1830, 
p. 28), dass dies in Bezug auf den Orang der Fall ist, und zählt speciell 
alle die bedeutungsvolleren Muskeln auf, von welchen bekannt ist, dass sie 
beim Menschen dazu dienen, seine Gefühle auszudrücken. Siehe auch eine 
Beschreibung mehrerer Gesichtsmuskeln vom Chimpanse von Prof. Maca- 
lister in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Yol. VII. May, 1871, p. 342. 
u Anatomy of Expression, pp. 121, 138.
        

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