Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/129/
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Aiisdrucksformen bei Thieren. 
Cap. 5. 
tliümlichen Weise ausgedrückt, nämlich durch Grinsen. Somer¬ 
ville hat dies schon vor längerer Zeit bemerkt, wenn er sagt: 
„Und mit höflichem Grinsen grösst dich der schwänzelnde Hund 
„Kauernd, seine sich weit öffnende Nase 
„Wirft er auf, und seine grossen kohlschwarzen Augen 
„Schmelzen in sanften Liebkosungen und demüthiger Freude.“ 
Die Jagd. Buch 1. 
Sir Walter Scott’s berühmter schottischer Windhund, 
Maida, hatte diese Gewohnheit, und sie ist bei Pinschern ge¬ 
wöhnlich. Ich habe sie auch bei einem Spitze und bei einem 
Schäferhunde gesehen. Mr. Riviere, welcher dieser Ausdrucks¬ 
weise besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, theilt mir mit, 
dass sie selten in einer vollständigen Weise entfaltet wird, aber 
in einem geringem Grade ganz gewöhnlich ist. Während des 
Actes des Grinsens wird die Oberlippe wie beim Knurren zurück¬ 
gezogen, so dass die Eckzähne sichtbar werden, und auch die 
Ohren werden zurückgezogen. Aber die allgemeine Erscheinung 
des Thieres zeigt deutlich, dass kein Zorn gefühlt wird. Sir Ch. 
Bell bemerkt 3, „Hunde bieten bei ihrer Ausdrucksweise der Zu¬ 
neigung ein geringes Aufwerfen der Lippen dar und grinsen und 
„schnüffeln während ihrer Sprünge in einer lachenerregenden 
„Weise.“ Manche Personen sprechen vom Grinsen als wäre es 
ein Lachen. Wenn es aber wirklich ein Lachen wäre, so würden 
wir eine ähnliche wenn auch ausgesprochenere Bewegung der 
Lippen und Ohren sehen, wenn Hunde ihr Freudengebell ertönen 
lassen; dies ist aber nicht der Fall, obschon ein Freudengebell 
oft auf ein Grinsen folgt. Auf der andern Seite thun Hunde, 
wenn sie mit ihren Kameraden oder Herren spielen, beinahe im¬ 
mer so, als wenn sie einander bissen, und dann ziehen sie, wenn 
auch nicht energisch, ihre Lippen und Ohren zurück. Ich ver- 
muthe daher, dass bei manchen Hunden eine Neigung vorhanden 
ist, so oft sie ein lebendiges mit Zuneigung verbundenes Ver¬ 
gnügen empfinden, durch Gewohnheit und Association auf die¬ 
selben Muskeln einzuwirken, als wenn sie im Spiele einander oder 
die Hände ihrer Herren bissen. 
” \ 
3 The Anatomy of Expression, 1844, p. 140.
        

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