Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/128/
Cap. 5. 
Hund. 
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jetzt so fest vererbt oder angeboren, dass sie gleicbmässig auf 
beide Geschlechter überliefert wird. Einer meiner weiblichen Pin¬ 
scher warf vor Kurzem Junge, welche sämmtlich getödtet wur¬ 
den; und trotzdem die Hündin schon zu allen Zeiten eine sehr 
zärtliche Creatur war, so war ich doch über die Art und Weise 
überrascht, in welcher sie nun versuchte, ihre instinctive mütter¬ 
liche Liebe dadurch zu befriedigen, dass sie sie auf mich wandte; 
und ihre Begierde, meine Hände zu lecken, wuchs zu einer uner¬ 
sättlichen Leidenschaft. 
Dasselbe Princip erklärt es ^ 3^1l f S ^^ll , i 
wenn sie sich zuneigungsvoll fühlen, es gern haben, sich an ihren 
Herren zu reiben oder von ihnen gerieben oder geklopft zu wer¬ 
den, denn von dem Warten ihrer Jungen her ist die Berührung 
mit einem geliebten Gegenstände in ihrer Seele fest mit der Er¬ 
regung der Liebe associirt worden. * 
Das Gefühl der Zuneigung eines Hundes gegen seinen Herrn 
ist mit einem starken Gefühle der Unterwürfigkeit verbunden, 
welches mit der Furcht verwandt ist. Daher senken Hunde nicht 
bloss ihre Körper und kriechen ein wenig, wenn sie sich ihrem 
Herrn nähern, sondern werfen sich zuweilen auf den Boden, mit 
der Bauchseite nach oben gekehrt. Dies ist eine Bewegung, 
welche jedem Anzeichen von Widerstand so vollständig als mög¬ 
lich entgegengesetzt ist. Ich besass früher einen grossen Hund, 
der sich nicht im geringsten fürchtete f mit andern Hunden zu 
kämpfen. Aber ein wolfartiger Schäferhund in der Nachbar¬ 
schaft besass, trotzdem er nicht so wild und nicht so kraftvoll 
war als mein Hund, einen starken Einfluss auf ihn. Wenn sich 
beide auf der Strasse begegneten, so pflegte mein Hund ihm 
entgegen zu rennen, den Schwanz zum Theil zwischen die Beine 
genommen und das Haar nicht aufgerichtet, und dann warf er 
sich auf den Boden, den Bauch nach oben. Durch diese Hand¬ 
lung schien er deutlicher als es durch Worte hätte geschehen 
können, sagen zu wollen: „Siehe, ich bin dein Sclave!“ 
Ein vergnüglicher und erregter mit Zuneigung associirter 
Seelenzustand wird von manchen Hunden in einer sehr eigen-
        

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