Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Person:
Darwin, Charles
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39733/103/
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Mittel des Ausdrucks bei Thieren. 
Cap. 4. 
Aufrichten der Hau tanh an ge. — Kaum irgend eine 
Bewegung des Ausdrucks ist so allgemein wde das unwillkürliche 
Aufrichten der Haare, Federn und andern Hautanhänge; denn 
durch drei der grossen Wirbelthierclassen geht es gemeinsam 
durch. Diese Anhänge werden unter der Erregung des Zornes 
oder Schreckens emporgerichtet, ganz besonders wenn diese Ge- 
müthserregungen mit einander verbunden sind oder schnell auf¬ 
einander folgen. Die Bewegung dient dazu, das Thier seinen Fein¬ 
den oder Nebenbuhlern grösser und furchtbarer erscheinen zu 
lassen und wird allgemein von verschiedenen willkürlichen Be¬ 
wegungen, die demselben Zwecke angepasst sind, sowie von dem 
Ausstossen wilder Laute begleitet. Mr. Bartlett, welcher über 
Thiere aller Arten eine so reiche Erfahrung besitzt, zweifelt nicht 
daran, dass dies der Fall ist f es ist aber eine davon ganz ver¬ 
schiedene Frage, ob die Fähigkeit des Aufrichtens ursprünglich 
zu diesem speciellen Zwecke erlangt wurde. 
Ich will zuerst eine ziemlich beträchtliche Menge von That- 
sachen mittheilen, welche zeigen, wie allgemein diese Handlungs¬ 
weise bei Säugethieren, Vögeln und Reptilien ist; dabei behalte 
ich das, was ich in Bezug auf den Menschen zu sagen habe, auf 
ein späteres Capitel vor. Mr. Sutton, der intelligente Wärter 
im zoologischen Garten, beobachtete für mich sorgfältig den 
Chimpanse und den Orang; er gibt an, dass, wenn sie plötzlich 
erschreckt werden, wie durch ein Gewitter, oder wenn sie zornig 
gemacht werden, wie durch Necken, ihr Haar aufgerichtet wird. 
Ich sah einen Chimpanse, der vom Anblick eines schwarzen Koh¬ 
lenträgers beunruhigt war; sein Haar richtete sich am ganzen 
Körper in die Höhe; er machte kurze Ansätze nach vorwärts, 
als wollte er den Mann angreifen, ohne irgend eine wirkliche 
Absicht es zu thun, aber doch, wie der Wärter bemerkt, in der 
Hoffnung, den Mann zu erschrecken. Wird der Gorilla zur Wuth 
gereizt, so erscheint er nach der Beschreibung des Mr. Ford 9 „mit 
„aufgerichtetem und vorstehendem Kamme, erweiterten Nasen¬ 
löchern und nach unten geworfener Unterlippe; zu gleicher Zeit 
9 Citirt von Huxley in: „Zeugnisse für die Stellung des Menschen n 
der Natur.“ Übersetzung. 1863. S. 59.
        

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