Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kritische Gänge. Vierter Band
Person:
Vischer, Friedrich Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39726/311/
meiner Äfifyetif 
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wartet fommen, bie Überzeugung gerabe noch verßärfen: ï>ter iß 
ein Snbivibuum, tu welchem ber uub ber ©harafter, baè unb baè 
Matured eigentümliche gorm gewonnen. £)er Jpetßfpont sperep 
ßottert; (Sfjafefpeare ï)atte eè auè ber ©hrontf; e$ bünft uné um 
gemetu bezetchnenb uub gewiß bod): er fennte ebenfogut nicht 
ßottern. 2Ba£ baé Snbivtbuum zum Snbtvtbuunt macht, tß an ßd) 
|îeté irrational, 2Öerf einer rein zufälligen 9JUfd)ung ber Äräfte. 
^er ©harafter fomrnt barüber, verarbeitet eè zu einem ©anzen; ber 
tünßler unb £>id)ter erl>ôï)t biefe ©inheitébilbung unb nun glauben 
wir, e$ fönnte gar nicht anberé fein, 0?atur unb Äunß flatten 
hiebet natürlich nur mit 2lßgemeinent. ©£ gibt feinen einzelnen 
3ug, feine ©igenfdjaft, bie rein inbivibueß wäre, Met gehört ber 
©attung an, nur bie SDWfchung iß in jebent ©tnzelwefen eine anbere. 
02un tritt zum Qualitativen btefer S0?ifd>ung jeneè Quantitative 
ber energifchen ©infeitigfeit; bie $erbtnbung beiber erß iß bie 
Queße ber unenbltchen $ftögltd)feiten inbivtbueßer gorm. 2öo baè 
Unerwartete tn ber $Ufd)ung einen gewißen ©rab erreicht, ber ßch 
natürlich nicht präztßeren läßt, ba beginnt bie verwicfeltere ©l)a* 
rafterbilbung, wie bie neuere, bie norbifche Äunß ße liebt: man 
benfe z- ©♦ an bie ÏBtberfprüche unb ©prünge in ^amleté Sßefen, 
^un unb Saßen. eröffnet ßd) h^er ber Q3Iicf in z*t>ei verfdhtebene 
Äunßßtle: ber ibealißifche, flafßfche wirb mehr burch bie quam 
titative ©nergie ber ©infeitigfeit, ber realißtfdhe, moberne burch bie 
qualitative Unberechenbarfeit ber 9ïïifd)ung tnt Snbtvibuum wirfen. 
©eht ber irrationale (Sprung über eine gewiße ©renze, fo entßelß 
baè Driginat tut fomifchen 0tnne beè ïôortè: tnt h^üwttfchen, 
wenn Äraft, tm genrehaft fomtfehen, wenn Kleinheit beè ©rißem 
haften h^fcht. 2Öte furz *>ber wie wett aber baé Srrationale ber 
5Ü?tfd)ung gehen möge, eè wirb Weber tn ber Sßirflichfeit je ganz 
von ber ©inheit burchbrungen, no(^ barf eè in ber Äunß ganz burdh^ 
brungen werben. Mäßige Harmonie höbe bte Snbivibualttät auf; 
voßfommen fein hctßt ßch tn bie ©attung auflöfen. gür baè Ämtß* 
werf Hegt bte Harmonie tm ©anzen; ße wiß unb braucht tn ben 
Reifen, ben Snbivtbuen bie ©infeitigfett. ©efonbere Äraft gewinnt 
fowohl baè 2lßgemetne, aU ba£ ©inzefne in gäßen, wo eine in 
ber ©attung Itegenbe Qualität ßd) mit einem Snbivibuum, baé 
ihr wtberßrebt, im Kampfe verfdjmelzt: ©iferfucht liegt in ber
        

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