Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kritische Gänge. Vierter Band
Person:
Vischer, Friedrich Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39726/191/
177 
©Iteberung ber $ßl)etif 
wo fie irn 5D?ttteI^unfte ber bon tßr beßerrfeßten Äräfte Reiter unb 
fefbßbewußt thront, unb getrennt bon biefen, welcße al£ ©otter neben 
ißr beßeßen, wirb fie ^ur graufen 9?otwenbigteit, ber Menfd) erfennt 
ßd) nteßt nteßr in ißr, feine ©ntfcßlüße fomrnen tßnt nießt nteßr bon 
innen, fonbern fie finb ißm bon bief er frentben 3tfotwenbigfeit ge* 
geben, 3?ur eine 2(ßnung bleibt, baß baè ©cßtctfal eigentlich ber 
eigene Sßtlle iß, baßer jene Antinomie ber ©cßulb unb Unfcßulb in 
ber griecßtßßen Sragöbie, bie icß in meiner ©cßrtft über baè ©rßabene 
unb Äonttfcße nod) nießt $u erflaren mußte. Dtefeè ©cßicffal nun 
feßwebt über ben ©bttern ; aber bie 3eit wirb fommen, ba ba£ ©cßtdf* 
fat bat)in etnfeßrt, woßer e$ eigentlich ïommt, b. t). inè Snnere, unb 
bieè gefd>ieî)t, fobatb ber Menfcß ßcß feiner inneren Unenbltcßteit unb 
gretßeit bewußt wirb unb babureß wieber in ßcß ßereiuuimmt, waè 
er aué ßcß ßinau£berlegt ßatte. Dann ßnb bie ©otter berloren, benn 
bann weiß ber Menfcß aueß, baß ße nicßt£ 3tnbereè ßnb, atè feine 
eigenen Äräfte, bie Drgane eben ber ^reißett. 3ufläd)ß ßnb bie 
©otter baè iÇtnberntè, baß baè ©cßtctfal, b. ß. ba£ reine 3d), unb 
ber Menfd) nießt ^ufantmentommen tonnen, ße ßeßen bajwtfcßen alè 
trennenbe unb auäfcßlteßenbe Materie unb werfen ©cßatten, fo baß 
ber Menfd) ßinter tßnen, im ©eßietfat nteßt ßd) fetbß ertennen faun. 
2lber er fommt baßtnter, unb ße ßnb geßür^t. 
Daè Sbeat beè Mittelalter^ nun, maè fouß r o m a n t i f d) ßeißt, 
fü^re ick) auf atè baé Sbeat ber pfyantaßtfdjen ©ubjefti^ 
o i t ä t unb ^atte fo oßne 3mang meine Kategorie feß. ©ubjeftioität : 
benn bem ©eiße iß feine innere Unenblidßett aufgegangen, wogegen 
jebeè ßnntid^e ^)ing $um burd^ßd^tigen ©c^teier bief er ©eetentiefe 
fyerabgefeÇt iß. ^)t)antaßifd^e ©ubjeftioität : benn burd) ben 9teß oon 
Mofaièmuè unb ^ot^tßeBmu^, bon wettern ßd) bie Götter beè 
Mittelalterè, bie romanifd)en inèbefonbere, nid)t befreit tjatten, iß 
im 9Biberf^rud^ mit bem spring ber Snnertic^teit ©ott in einem 
Senfeitè fixiert unb bort in einen Dtt)mp bon überwetttid)en ©e^ 
ßatten auèeinanber gezogen, unb barauè folgt baé pt)antaßif^e 93e* 
wußtfein beè Mittetatterè. X)ie antite 2ßeltanfd)auung war einfad) 
in ßd), ber Menfd) fud^te unb fanb ßd) in feinen ©bttern; ber Menfd) 
beè Mittelalter^ ßat ßd) in ßd) unb fudjt ßd) bod) außer ßd), baßer 
ßeßt er aïteè in gebrochenen 2id)tern: ein allgemeine^ X)o^peitfeßen, 
nidßtö ßeßt ber Menfd), wie eè iß, *wifd)en ßd) unb jebeè Ding feßiebt 
Stirer, Äritifdje ©ange 1Y 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.