Bauhaus-Universität Weimar

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Erfter Abfchnitt: Methodifche Grundlegung der Äfthetik. 
erfahrungsmäßig verfährt, die Möglichkeit einer Konftruktion von oben 
in der Äfthetik mit treffenden Gründen.1) 
So fehr ich es indeffen auch für ein Glück halte, daß die meta- 
phyfifche Behandlung der äfthetifchen Fragen aufgehört hat, fo foil 
doch damit keineswegs die Wertlofigkeit oder auch nur die Gering¬ 
wertigkeit der metaphyfifchen Äfthetik behauptet fein. Was im be- 
fonderen die Äfthetik der nachkantifchen Metaphyfik betrifft, fo zeichnet 
fie lieh geradezu durch tiefe Blicke in die Natur des Schönen und 
der Kunft, durch eine gewiffe Kongenialität für das Eindringen in die 
Geheimniffe des Äfthetifchen aus. Auch ihren metaphyfifchen Ver¬ 
legenheiten liegt häufig etwas menfchlich Wahres, auch ihren Un7 
bedingtheiten eine richtige Wahrnehmung oder Ahnung zu Grunde. 
Es ift eben fo, daß bei Schelling, Hegel, Schopenhauer und ihren 
Geiftesverwandten ihre eigentümliche Metaphyfik nach manchen Rich¬ 
tungen einen günftigen, fruchtbaren Boden für das Entfpringen bedeut- 
famer äfthetifcher Einfichten, eine zweckmäßige Vorbereitung für das 
Eindringen in die Wunder des Schönen bildet. Die verächtliche, 
fchmähende Behandlung diefer Äfthetiker hat zumeift in Unkenntnis 
und in Unfähigkeit, fie zu verliehen, ihren Grund. Jonas Cohn hat 
Recht, wenn er fagt: „Es fcheint zur Zeit in der Tat wichtiger, von 
ihnen (nämlich den Metaphyfikem der Äfthetik) zu lernen, was fie 
an tiefen und gründlichen Einfichten in das Wertgebiet des Äfthe¬ 
tifchen gewonnen haben, als (ich an ihren Irrtümem zu reiben.“2) 
*) Herder im vierten Kritifchen Wäldchen. HEMPELsche Ausgabe Bd. 20, 
S. 434, 513. Schleiermacher, Vorlefungen über die Äfthetik. Berlin 1842. S. 38 f. 
*) Jonas Cohn, Allgemeine Äfthetik, S. 9.
        

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