Bauhaus-Universität Weimar

Frage nach 
der Verträg¬ 
lichkeit des 
fmnlich An¬ 
genehmen 
mit dem 
Äithetifchen. 
Die 
Funktions¬ 
lull des 
äithetifchen 
Wahr¬ 
nehmens. 
Die 
Funktions¬ 
luft des 
vo'ftellungs- 
mäßigen 
Ver- 
knüpfens. 
348 Zweiter Abfchnitt: Befchreibende Grundlegung der Älthetik. 
Und zweitens wird zu fragen fein, welche Bedingungen an 
dem fmnlich Angenehmen und Unangenehmen erfüllt fein müffen, 
wenn es in den äithetifchen Genuß foil aufgenommen werden können: 
Der in Mittagshöhe ltrahlende Sonnenball kann als folcher nicht 
Gegenltand äithetifchen Genuffes fein, weil das Wehetun der Blendung 
allen Genuß zerltört. Ohrenbetäubende Mufik hört auf, ein Kunlt- 
genuß zu fein. Erregen nackte weibliche Formen Wolluftempfindungen, 
fo ilt gleichfalls der älthetifche Eindruck vernichtet. Es erhebt fich 
daher die Frage, unter welchen Bedingungen finnliche Luit und Un- 
lult mit dem äithetifchen Verhalten verträglich bleibt, und unter welchen 
Bedingungen Unverträglichkeit beginnt. In dem folgenden Hauptab- 
fchnitt wird fich dort, wo die Willenloligkeit des äithetifchen Be- 
trachtens behandelt werden wird, auch diefe Frage nach der Verträg¬ 
lichkeit und Unverträglichkeit der finnlichen Luft und Unlult mit dem 
äithetifchen Genießen von felblt beantworten. 
Doch nicht nur dem Inhalte nach wird die finnliche Wahr¬ 
nehmung zu einer Quelle älthetifcher Luit, fondern auch die Art 
und Weife, wie gerade im äithetifchen Verhalten das Wahrnehmen 
mit gefchärfter Aufmerkfamkeit, mit Frifche und mit Hingebung er¬ 
folgt. Ohne Zweifel führen die hiermit bezeichneten Bewußtfeins- 
haltungen Luitbetonungen mit fich. Wer künftlerifch bei der Sache 
ilt, für den ilt es eine Freude, Augen und Ohren zu öffnen, die 
Sinneseindrücke in fich einftrömen zu laffen. Es kann bis zu wonne- 
vollem Schwelgen im Schauen und Laufchen kommen. 
So Iteht wenigltens für das unabgefchwächte, voll fich auslebende 
älthetifche Verhalten der Satz feit, daß unmittelbar das Ausüben des 
finnlichen Wahrnehmens eine Quelle von Luft ilt. Ich will diefe Luit 
als Funktionsluit des äithetifchen Wahrnehmens bezeichnen 
und es auf diefe Weife kurz von der finnlichen Luft des äithetifchen 
Wahrnehmens unterfcheiden. Die finnliche Luft haftet dem Empfin- 
dungsftoff als folchem an. 
4. Die Zergliederung des äithetifchen Betrachtens führte uns dann 
zu der Verknüpfung der Bedeutungsvorltellung mit der finnlichen 
Grundlage des äithetifchen Gegenltandes (S. 114 ff.). Diefe Verknüpf¬ 
ung als folche geht wohl in der Regel ohne merkliche Luft von Hatten. 
Bei der Hinzugefellung etwa der Vorltellungen „Wiefe, Wind, Schmet¬ 
terling“ zu gewiffen Gefichtswahrnehmungen ilt Luitbetonung nicht 
zu fpüren. Außerälthetifche Luft freilich kommt hierbei oft vor: 
das Vergnügen am Wiedererkennen ilt eine folche. Befonders be-
        

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