Bauhaus-Universität Weimar

Dreizehntes Kapitel: Die Beteiligung der fymbolifchen Empfindungen. 267 
Doch halte ich diefe Abweichung nicht für wichtig genug, um darauf 
einzugehen. 
Die Einfühlung in Bewegungen von Tieren fleht in der Mitte Einfühlung 
zwifchen der (eigentlichen) Einfühlung in die bewegte Menfchengeftalt w‘"®*'en 
und der (fymbolifchen) Einfühlung in bewegte unbefeelte Wefen. Die von Tieren, 
in uns durch die Bewegung von Tieren ausgelöften Bewegungs- 
empfindtmgen flehen, um je höhere Tiere es fleh handelt, dem, was 
die Tiere felbft empfinden, um fo näher. Symbolifch ;ft die Ein¬ 
fühlung auch hier: denn wir legen den Tieren eben doch menfehen- 
ähnliche Seelenregungen unter. Wenn uns der Löwe majeftätifch 
ftolz, die Hyäne gemein blutgierig, der Adler kühn aufftrebend, der 
Singvogel harmlos fröhlich erfcheint, fo find dies Erhöhungen ins 
Menfchliche. Doch aber fleht die jedesmal eingeftihlte Menfchlichkeit 
dem eigenen Innenleben der Tiere weit näher als dem Wefen der 
Pflanzen oder leblofen Dinge. So ift alfo die Einfühlung von Be¬ 
wegungsempfindungen in Tiere gleichfalls ein Schritt auf dem Wege 
des Symbolifchen, aber nicht in der entfehiedenen Weife, wie dies 
bei der Einfühlung von Bewegungsempfindungen in leblofe Dinge 
oder Pflanzen der Fall ift. 
Doch ift nicht in allen Fällen die Einfühlung in bewegte Raum- 
geftalten motorifcher Art. Wie gegenüber der bewegten Menfchen¬ 
geftalt, fo kommt es auch hier häufig vor, daß Bewegungen nicht 
unter Vermittlung von Bewegungsempfindungen, fondern infolge 
unteres Erfahrungswiffens mit beftimmten Stimmungen ausgefüllt 
werden. Und wie dort, fo gilt dies auch hier vor allem von 
dichterifchen Schilderungen. 
7. Was dann die ruhenden untermenfchlichen Raumformen Einfühlung 
betrifft, fo muß man eine Unterfcheidung machen. Einmal kommen m^eernde 
dabei die untermenfchlichen Dinge und Lebewefen und fodann die menfchliche 
willkürlichen Gruppierungen von Raumformen in Betracht, wie fie 
vor allem Baukunft und Kunfthandwerk aufweifen. Wir haben hier 
alfo ein überaus weites Gebiet vor uns. 
Es kann nun kein Zweifel beftehen, daß auch für die Einfühlung Wiederum 
in die ruhenden Formen die Bewegungsempfindungen weit mehr als Be^p““fs* 
alle anderen Arten von Empfindungen die Vermittlung übernehmen, düngen. 
Die ruhenden Formen erhalten durch die Einfühlung Leben, Streben 
aller Art; fie machen den Eindruck, daß feelenartige Kräfte (ich in 
ihnen regen, entfalten, fich wechfelfeitig fteigern, lieh gegeneinander 
fpannen, fich bekämpfen, mildern, beruhigen. So werden die ruhenden
        

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