Bauhaus-Universität Weimar

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Zweiter Abfchnitt: Befchreibende Grundlegung der Äfthetik. 
Affoziation 
im kau¬ 
fierenden 
Sinne. 
Sache entfpringen, fondem anderswoher, gleichfam von feitwärts, 
mehr äußerlich alfo, hinzugefügt werden. In diefem Sinne fprach ich 
und werde noch oft zu fprechen haben von affoziativer Ein¬ 
fühlung: hier find die Mittel für die Einfühlung nicht aus dem Ein¬ 
druck des wahrgenommenen Gegenftandes felbft, fondem aus einem 
früher bei den verfchiedenften Gelegenheiten erworbenen Erfahrungs- 
wiffen hergenommen. Und wenn ich in dem fechften Kapitel diefes 
Abfchnittes der Bedeutungsvorftellung die affoziierten Vorftellungen 
gegenüberftellte, fo hatte dies in ähnlicher Weife den Sinn, daß es 
fich um ergänzende Vorftellungen handelte, um Vorftellungen alfo, 
die nicht zur Bedeutung des Gegenftandes felbft gehören. In diefen 
Fällen bezeichnet fonach das Wort Affoziation eine Hinzugefellung 
aus folchem feelifchen Bereiche, der als ein relativ Außengelegenes 
anzufehen ift; alfo den Gegenfatz zu dem Enthaltenfein in der Natur 
und Entwicklung des in Frage flehenden feelifchen Vorganges. 
Was nun die Einfühlung betrifft, fo erhellt aus dem letzten 
Kapitel und es wird fich noch weit deutlicher und umfaffender aus 
dem folgenden ergeben, daß die Affoziation in diefem Sinne einer 
relativ äußerlichen Zugehörigkeit die Einfühlung zwar in vielen Fällen 
wefentlich herbeiführen hilft, andere Male dagegen zurücktritt oder 
gänzlich fehlt. Keinesfalls aber ift hiermit etwas über die Natur der 
Einfühlung felbft ausgefagt; fondern es ift nur das früher erworbene 
Erfahrungswiffen als Herkunftsort für gewiffe Vorftellungen bezeichnet, 
die in beftimmten Fällen zum Zuftandekommen der Einfühlung nötig 
find. Im folgenden fehe ich von diefem relativ äußerlichen Sinn des 
Wortes Affoziation gänzlich ab. 
2. Ganz anders dagegen (teilt fich die Sache, wenn man bei 
„Affoziation“ daran denkt, daß fich Bewußtfeinsinhalte unwillkürlich 
infolge von Beziehungen zufammenfinden, die innerhalb des feelifchen 
Lebens beftehen. Hier handelt es fich, wie das Wort „infolge“ befagt, 
um ein Abhängigkeitsverhältnis; und zwar um eine unwillkür¬ 
lich fich einftellende Abhängigkeit. Und das, wovon Abhängigkeit 
befteht, find nicht etwa Beziehungen in der Außenwelt, fondern Be¬ 
ziehungen innerhalb des feelifchen Lebens. Wenn ich finnend, 
denkend, forfchend Vorftellungen aneinanderfüge, ebenfo wenn ich 
mich auf etwas befinne, fo nenne ich diefe Tätigkeit nicht mehr 
Affoziation. Und ebenfowenig wird man die Aneinanderreihung von 
Empfindungen und Wahrnehmungen, die durch die in der Außenwelt 
vorhandene Anordnung der Dinge und Vorgänge gegeben ift, als
        

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