Bauhaus-Universität Weimar

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Zweiter Ablchnitt: Befehreibende Grundlegung der Äfthetik. 
in ein Bild hineinfchaue, je inniger ich mir ein Gedicht zu eigen 
mache, um fo mehr entwickeln fich die Bekanntheitseindrücke, die zu- 
nächft noch dem einen oder anderen Teil des Kunftwerkes als Erfatz 
der Bedeutungsvorftellungen anhafteten, zu wirklichen Vorftellungen. 
Weitere Auf einen weiteren Unterfchied werde ich im folgenden aus- 
fchiede führlich zu frechen kommen. Die Bedeutungsvorfteliung verfchmilzt, 
fCh,ed€’ fo werden wir fehen, auf äfthetifchem Gebiete mit der Anfchauung 
fo eng und fo vollftändig, wie dies im gewöhnlichen Leben in der 
Regel nicht gefchieht. 
Hiermit hängt zufammen, daß das äfthetifche Verhalten darauf 
angelegt ift, daß die Bedeutungsvorfteliung eine Umwandlung ins 
Gefühlsähnliche, eine gewiffe Verdichtung und Verdunklung erfährt. 
Im gewöhnlichen Vorftellen kommt dergleichen auch vor; im äftheti- 
fchen Verhalten dagegen ift diefe Umwandlung ins Gefühlsähnliche 
unumgängliche Bedingung. Umgekehrt ift im äfthetifchen Verhalten 
die Zufchärfung und Verdünnung der Bedeutungsvorfteliung zum Be¬ 
griff ausgefchloffen. Der Begriff bringt dem äfthetifchen Verhalten 
Verderben. Im gewöhnlichen Leben dagegen ift die Entwicklung der 
Bedeutungsvorfteliung zum Begriff gemeiniglich als ein erfreulicher 
Fortfehritt anzufehen. Dies alles wird weiterhin genauer zur Sprache 
kommen. 
Neue Fra- 4. Hier erhebt fich die Frage, ob neben der Bedeutungsvor- 
ge’ die Heilung noch andere Vorftellungen äfthetifch in Betracht kommen. 
voritei- Diefe anderen Vorftellungen könnten nur folche Vorftellungen fein, 
betreffend die eben niclrt zur Bedeutung des äfthetifchen Gegenftandes gehören, 
betref en . fofldern ergänzend zu hinzutreten. Dabei find wieder zwei Fälle 
möglich: entweder fie flehen mit den äfthetifchen Gegenftänden in 
notwendiger Zufammengehörigkeit, find durch die Natur der Sache 
mit ihnen verknüpft; oder fie gruppieren fich nur in der Form von 
naheliegenden Einfällen, von Ranken und Arabesken des Vorftellens 
um die äfthetifchen Gegenftände. Man wird beiderlei Vorftellungen 
im Gegenfatze zur Bedeutungsvorfteliung mit befonderem Nachdruck 
als affoziierte Vorftellungen bezeichnen dürfen. Die Frage lautet alfo: 
ob neben den Bedeutungsvorftellungen auch Affoziationsvorftellungen 
äfthetifch zuläffig find. 
Beifpieie Beifpiele folcher affoziierter Vorftellungen laffen fich aus den 
affeziterter verfchiedenften äfthetifchen Gebieten anführen. Man denke etwa an 
fteiiungen. die anekdotenhaften, novelliftifchen Sittenbilder in der Malerei. Es 
liegt in ihnen eine gewiffe Aufforderung, fich den dargeftellten fcherz-
        

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