Bauhaus-Universität Weimar

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auf die Gemüthserregungen während des Bombardements 
zurückführten. — 
Als häufige Veranlassung für das Auftreten von 
Tremor und Paralysis agitans finden wir in den Lehr¬ 
büchern1) Gemüthsbewegungen angegeben, und so bezogen 
auch nach Kohts viele mit dieser Affection behaftete 
Kranke in Strassburg den Anfang wie die Ursache mit 
Bestimmtheit auf die während der Belagerung durchge¬ 
machten Schrecken. 
Es sei mir gestattet, wenigstens einen der von Kohts 
beobachteten hierher gehörigen Fälle wiederzugeben. 
S. G., 51 Jahre alt, früher stets gesund, erkrankte 
plötzlich während des Bombardements von Strassburg, 
als eine Granate in ihr Zimmer einschlug und ihre Meubles 
ringsherum zerschmettert wurden, mit heftigem Erbrechen; 
sie bemerkte, dass sie am ganzen Körper zitterte und 
dass die intendirten Bewegungen ganz unsicher, mit 
grossem Beben der unteren wie obereu Extremitäten ver¬ 
bunden waren. Seit jener Zeit blieb sie mit Tremor 
behaftet. Im Jahre 1873 kam die Patientin in die ine- 
dicinische Poliklinik. 
S t a t. p r. Patientin ist kräftig gebaut, befindet sich 
stets ausser Bett; der Gesichtsausdruck ist natürlich, 
das Sensorium frei. Ihre subjectiven Klagen beziehen 
sich, abgesehen von einem Magenleiden mit Icterus, auf 
einen fortwährenden Tremor und grosses Schwächegefühl, 
sowie darüber, dass sie ungemein schreckhaft seit dem 
erwähnten Tage sei, und bei den geringsten Anlässen 
sofort zusammenfahre. Man sieht die Hände fortwährend 
in zitternder Bewegung ; bei intendirten Bewegungen 
steigert sich der Tremor ; während die Patientin sitzt, 
tritt er ebenso in den Beinen auf, und wird stärker, 
*) Hasse, Handbuch der Nervenkrankheiten. Niemeyer, 
Lehrbuch der spec. Path. u. Therapie. Eulenburg, Lehrbuch 
der functioneilen Nervenkrankheiten.
        

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