Bauhaus-Universität Weimar

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Sensibilität. Sowohl an der ganzen Hautoberfläche, 
als speciell am rechten Beine zeigt sich die cutané Sen¬ 
sibilität vollständig erhalten. Die verschiedenen Qualitäten 
des Tastsinns (Drucksinn, Raumsinn), die Empfindlichkeit 
für Temperaturdifferenzen zeigen ein völlig normales Ver¬ 
halten. Die leichte Berührung mit einem feinen Haar¬ 
pinsel wird allenthalben genau percipirt. Das Gefühl 
für Kitzel und die in verschiedener Weise ausgelösten 
cutanen Schmerzempflndungen [Nadelstich; cutané Fara¬ 
disation, Kneifen mit einer Pincette, Wärmesclnnerz] ver¬ 
halten sich ebenfalls ganz normal. In gleicher Weise 
die Cutanen- und Sehnenreflexe. Auch subject!v bestehen 
keinerlei Klagen über Störung der Sensibilität ; niemals 
bestanden Schmerzempfindungen im Rücken und in der 
gelähmten Extremität; ebensowenig irgend welche Par- 
ästhesien. — 
Die elektrische Exploration ergiebt keine Abweichung 
von normalen Reactionsverhältnissen ; weder auf den fa- 
radischen, noch auf den galvanischen Strom. — Die 
Muskulatur des gelähmten Beines ist kräftig, von praller 
Resistenz und zeigt keine Spur von Atrophie. Der Kranke 
hat weder eine abnorme Kälte- noch Wärme-Empfindung 
in der gelähmten Extremität ; auch objectiv besteht keine 
Temperaturdifferenz mit dem gesundeu Gliede. — Das 
Allgemeinbefinden ist, wie wir bereits oben hervorgehoben 
haben, vollständig ungetrübt. Insbesondere bietet der 
Kranke keinerlei Erscheinungen, welche im pathologischen 
Sinne als Hypochondrie oder Hysterie bezeichnet werden 
könnten. 
Trotzdem eine längere Zeit fortgesetzte elektrische 
Behandlung mit dem Induetionsstrome ohne jeden Erfolg 
geblieben war, leitete Herr Dr. Berger versuchsweise, 
auf den Vorschlag des Herrn Dr. Wachtel, eine Be¬ 
handlung mit dem galvanischen Strome ein. Die Anode 
wurde in Form einer grossen, mit feuchtem Schwamm 
versehenen Platte auf die Lendenwirbelsäule gesetzt, die 
kleinere, natürlich ebenfalls feuchte Electrode, mit dem
        

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