Bauhaus-Universität Weimar

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Namentlich der letztgenannte Umstand soll eine mächtig 
erschütternde Wirkung auf den Kranken ausgeübt haben. 
Innerhalb weniger Augenblicke fühlte sich der Kranke an 
beiden unteren Extremitäten gelähmt. Ohne irgend welche 
Schmerzempfiudung, ohne Erscheinungen von Seiten des 
Gehirns, bei vollständig intactem Bewusstsein, frei von 
Kopfschmerz und Schwindel war er mit einem Schlage 
der Herrschaft über beide Beine vollständig beraubt. 
Abgesehen von der Lähmung der willkürlichen Bewegung, 
hatte er auch die Empfindung, als ob die Extremitäten 
abgestorben wären, und die bald darauf erfolgte ärztliche 
Untersuchung constatirte auch in der That eine voll¬ 
ständige cutané Analgesie derselben. — 
Die in so wunderbarer Weise plötzlich entstandene 
motorische und sensible Paraplegie besserte sich unter 
der Behandlung des Herrn Dr. Wachtel schon nach 
einigen Tagen und bald darauf erfreute sich der Kranke 
wieder der vollständigsten Gesundheit. Die Lähmung 
war, ohne Spuren zu hinterlassen, ebenso schnell ver¬ 
schwunden, wie sie gekommen war. Etwa ein halbes 
Jahr später stellte sich in ganz analoger Weise ein Re- 
cidiv ein, und diesmal hielt die Paraplegie ca. 14 Tage 
an, nach welcher Zeit sie bei elektrischer (faradischer) 
Behandlung spurlos verschwand. Dieselbe Scene wieder¬ 
holte sich im Laufe der nächsten Jahre noch dreimal, 
wobei mehrere Male wieder eine psychische Veranlassung, 
u. À. ein Schreck über eine plötzliche, unerwartete Todes¬ 
nachricht, die Ursache war, zum Theile aber allerdings, 
ohne dass eine besonders bemerkenswerthe psychische 
Einwirkung beschuldigt werden konnte. In allen den 
genannten Recidiven persistirte die Lähmung 8—14 Tage. 
Nur beim fünften Recidiv soll sie, nachdem sofort eine 
faradische Reizung der gelähmten Muskeln vorgenommen 
worden war, binnen wenigen Minuten wieder verschwun¬ 
den sein. Im Sommer vorigen Jahres consultirte der 
Kranke Herrn Geheimrath Biermer zu dem Zwecke, 
irgend eine Kur vorzunehmen, die ihn endlich vor den
        

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