Bauhaus-Universität Weimar

54 
Der Begriff des Vermögens. 
Fall abspinnt, wie das Dasein einer Behörde in Erledigung 
der einzelnen verkommenden Geschäfte aufgellt. Ebenso noth- 
wendig wie die Veränderung selbst ist es aber, dass sie jedes¬ 
mal durch die Gewöhnung wieder aufgehoben wird; eine Ver- 
änderung, an die wir uns schlechthin nicht gewöhnen können, 
ist mit dem Leben unvereinbar, sie [muss beseitigt werden oder 
das Leben geht zu Grunde. Die Veränderungen also, die an 
den Organismus oder einen Theil desselben herantreten, können 
mit demselben vereinbar, assimilirbar, gewöhnbar sein oder 
nicht. Ob sie dies sind oder nicht, hängt jedoch nicht allein 
von der Grösse dieser Veränderungen, der Intensität des äusseren 
Reizes, sondern ebensowohl von der Beschaffenheit des Organis¬ 
mus, beziehungsweise des empfindenden Theiles ab. Hier tritt 
der fundamental wichtige Begriff des Vermögens ein. Dieses 
dürfen wir im weitesten Sinne bezeichnen als das Mass der¬ 
jenigen Veränderungen, welche noch innerhalb der Grenzen 
der Möglichkeit der Erhaltung des Organismus, beziehungsweise 
der empfindenden Partikel fallen. Veränderungen, welche 
darüber hinausgehen, werden theils gar nicht, wenn Zerstörung 
r 
der Nervensubstanz eintrat, theils nur so wie die noch inner¬ 
halb der Vermögensgrenze fallenden Reize empfunden. Inner¬ 
halb dieser weiteren Vermögensgrenzen, die nach unten hin 
durch den Begriff der Reizschwelle (d. i. diejenige Reiz¬ 
intensität, unterhalb deren Reize überhaupt nicht empfunden 
werden), nach oben hin durch den der Reizhöhe (d. h. die¬ 
jenige Reizintensität, über welche hinaus Steigerung des Reizes 
keine Steigerung der Empfindung mehr bewirken kann) und 
in ihrer aufsteigenden Skala durch den Begriff Reizumfang 
(cfr. Wundt, Grundz. S. 282 f. 293) treffend bezeichnet werden, 
haben wir eine engere Zone des Vermögens, nämlich 
das Vermögen, gewisse Reizgrade noch angenehm 
zu empfinden. Es ist hier in der That von einem Ver¬ 
mögen im physischen Sinne, einer gewissen Robustheit des 
Nervensystems die Rede. Denn wir begegnen an sehr 
heruntergebrachten und geschwächten Nerven einer ganz ver¬ 
änderten Reizbarkeit, indem solchen Personen alle sonst noch
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.