Bauhaus-Universität Weimar

Dauer - Gefühle. 
241 
die nachhaltige Bewährung, endlich aber auch im umgekehrten 
negativen Falle andauernde Widerstandskraft, Geduld in Er¬ 
tragung von Mühsal und Entbehrung, Ausdauer, Ent¬ 
haltsamkeit, Sparsamkeit. Widerwärtig ist uns ein 
Charakter, der seine Bestrebungen und Entschlüsse nur für 
kurze Zeit festzuhalten vermag. Obgleich wie erwähnt die 
Dauerwirkung nur ein wesentliches Erforderniss der Kraft ist, 
muss sie doch von letzterer scharf gesondert werden als eigen- 
thümliche Erscheinungsweise, indem ein bestimmtes Quantum 
von Kraft sich entweder in einmaliger Entladung verbrauchen 
oder in dauernder schwächerer Wirkung zu Tage treten kann. 
Und ebenso ist auch unser beurtheilendes Kraftgefühl ein 
wesentlich anderes gegenüber einer starken momentanen und 
einer schwächeren, aber dauernden Kraftwirkung. Beides ist 
miserai Gefühl gleich nothwendig, wir verlangen von einer 
tüchtigen Kraft, dass sie gelegentlich auch in kräftigerer 
Wirkung in die Erscheinung tritt, und finden die immer in 
demselben Gleise gleichmässig fortwirkende Thätigkeit lang¬ 
weilig und philiströs. Zu diesem Missfallen wirkt noch mit 
das früher ermittelte Gesetz, dass die Dauer der Reizstärke 
äquivalent ist. Ebenso wie die einzelne Kraftentladung uns 
theils absolut, theils für die vorliegenden Verhältnisse (nach 
denen sich unsre Erwartung bedingt) zu stark erscheinen und 
so unsere Missbilligung erregen kann, so kann der ähnliche 
Effekt auch durch zu lange Dauer einer Bestrebung erzeugt 
werden, Missfallen an Pedanterie. 
Eine besondere Untersuchung erheischen die Dauergefühle noch 
hinsichtlich des Gefühlsgrundes. Obwohl die Dauer des Strebens nur 
ein direkter Ausfluss der Kraft ist, so ist doch die Wahrnehmung der 
Dauer nicht ohne Weiteres als Folgeerscheinung der Wahrnehmung der 
Kraft aufzufassen. Das vermittelnde Bindeglied ist das subjektive Ge¬ 
fühl meiner eigenen Ausdauer, hier nehme ich die aufgewendete Kraft 
unmittelbar an den fortgesetzten Innervations- und mittelbar an den 
steigenden Unlustgefühlen der Ermüdung, die sowohl körperlich als 
geistig, d. h. in die Sprache der Physiologie übersetzt, sowohl in der 
Sphäre der Muskelgefühle als auch der ästhetischen, intellektuellen und 
moralischen Gefühle sich geltend macht. Ihnen allen steht gegenüber 
einmal das andauernde G rund ge fühl, welches unser Streben in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.