Bauhaus-Universität Weimar

Drittes Buch. 
Moralische Gefühle. 
9. Eintheilnng. 
Unter der Bezeichnung „moralische- Gefühle“ begreifen 
wir alle diejenigen höheren Primair-Gefühle, welche nicht 
ästhetische und intellektuelle sind, sondern sich auf das Be¬ 
gehren, das eigne wie das fremde, beziehen. Die Ein¬ 
schränkung, dass es Pr im a ir- Gefühle sein sollen, schliesst 
diejenigen Gefühle, welche wie Furcht, Hoffnung, Erwartung 
sich auf* die Befriedigung eines Grundgefühls beziehen und 
daher als sekundäre Ableitung des letzteren in die folgende 
Abtheilung gehören, hier aus. Die Bezeichnung als „moraH 
1 i s c h e “ Gefühle, welche dem bisherigen Sprach gebrauche 
entspricht, rechtfertigt sich dadurch, dass es gerade diese Ge¬ 
fühle am Meisten sind, welche bei der sittlichen Be" 
urtheilung Unsrer Selbst und Anderer in Betracht kommen, 
indem bei der sittlichen Beurtheilung weder der Erfolg der 
Handlung noch die ästhetische und intellektuelle 
Bildung, sondern ganz wesentlich nur der Wille an¬ 
gesehen wird. 
Die Behandlung dieser Gefühlsklasse ist in mehr als 
einer Beziehung besonders schwierig. Zunächst liegt auf der 
Hand, dass, da es Gefühle sein sollen, die sich auf das Be¬ 
gehren beziehen, es bei der Konnexität aller seelischen 
Thätigkeiten fast unmöglich sein müsse, gerade hier Gefühl 
und Begehren auseinander zu halten. Bei solchen Gebilden wie 
Rache, Liebe kann man gewiss recht zweifelhaft sein, ob 
man sie als Gefühl oder als Begierden anzusehen oder ob 
man für jedes sowohl ein Gefühl als auch ein Begehren an¬ 
zunehmen habe. Dass sie beides sein können, sowohl Lust
        

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