Bauhaus-Universität Weimar

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Zusammenhang mit den moralischen Gefühlen. 
mit den formalen Einheitsgefiililen Zusammenhänge Denn damit Etwas 
für uns Objekt werden soll, muss es erst a p p e r ci p i r t, d. h. in die Keilie 
und Einheit unsrer Vorstellungen aufgenommen werden. Andrerseits 
bildet einen wesentlichen Bestandtheil der Freude am Objekt die Be¬ 
ruhigung über die Konstanz und Substanzialität, die Beharrlichkeit 
und Verlässlichkeit der Dinge. Ein ewiges Wechseln und Fliessen, dass man 
nicht weiss, was man hat und was man nicht hat, ist quälend. Aber 
wenn die Dinge um uns her feste Gestalt annehmen, dass wir anfangen 
können, uns auf sie zu verlassen, dann klären sich unsere Begriffe und 
beginnen einheitlich sich zu gestalten. 
Und ebenso verhält es sich zweitens mit dem Gefühl der Gewiss¬ 
heit und der Entschiedenheit des Entschlusses, die ihrerseits wieder 
mit der Freude am Dinge zusammenhängt , aber auch nach der andern 
Seite sich den formalen Einheitsgefiihlen verwandt erweist. Ja man 
kann zweifeln, ob nicht alle Einheitsgefühle überwiegend oder doch 
grossentheils moralischer Natur sind. — Wir haben bisher die intellek¬ 
tuellen Einheitsgefühle lediglich als durch Höherentwicklung aus den 
ästhetischen hervorgegangen angesehen. Es ist aber sehr wohl möglich, 
dass daneben auch noch eine ganz andere Betrachtungsweise berechtigt 
ist. Wenn alles Denken lediglich im Dienste des Willens, d. i. der Ge¬ 
fühlsreaktion geschieht, der Wille aber notliwendig in jedem Augen¬ 
blicke sich einheitlich gestalten muss, weil es unmöglich ist, mit den¬ 
selben Organen und Kräften gleichzeitig zweierlei zu erstreben: so 
leuchtet ein, dass an dieser Einheitlichkeit des Willens das von demselben 
abhängige Denken gleichfalls seinen vollen Tlieil nehmen muss. Man 
kann allen Ernstes die Frage aufwerfen, ob es nicht gerade dieses Moment 
sei, in welchem alle Einheitlichkeit des Empfindens, des Bewusstseins 
und des Denkens ihren Grund finde. 
Auf doppelte Weise hängen so unsre Erkenntniss-Gefühle 
mit den moralischen Gefühlen zusammen einmal durch die 
Entschiedenheit des Entschlusses (wissen was man soll und 
will), dann aber als Freude am Objekt mit den moralischen 
Verband-Gefühlen, während andrerseits der Zusammenhang mit 
dem Wohlgefallen am Einheitlichen und Harmonischen nicht 
minder deutlich ausgeprägt erscheint. Diese Harmonie und 
Gemeinschaftlichkeit des Theoretischen und Praktischen, des 
Formalen und Materialen darf uns nicht Wunder nehmen, 
sondern kann uns vielmehr im Gegentheil als Bürgschaft dienen, 
dass wir in der Erkundung einiger Bäthsel des psychischen 
Lebens, welches ein einfacher und einheitlicher Organismus
        

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